Freitag, 03. Februar 2023
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Ungeahnte Reserven

Ungeahnte Reserven
Foto: Matthias Pfänder

Liebe Leserinnen und Leser der RAZ,

vielleicht haben auch Sie sich vor einem Jahr zu dieser Zeit bei dem Gedanken ertappt „schlimmer kann es ja eigentlich nicht mehr werden“. Wir hatten damals knapp zwei Jahre Pandemie in den Knochen; es ächzten nicht nur viele, viele örtliche Unternehmen und Dienstleister, Sportvereine, Kultureinrichtungen … auch die Seelen waren erschöpft und ernüchtert. Und vielleicht war diese Art des sehr bescheidenen Optimismus mit „schlimmer geht nicht“ damals ein Weg, mit alldem umzugehen.

Nun, was soll und kann man genau zwölf Monate später schreiben, nachdem wir alle festgestellt haben: Doch. Geht es. Mögen auch Corona-Regelungen zurzeit gelockert sein, mag unser alltägliches Leben dahingehend Fahrt aufnehmen, so sind 2022 gleichzeitig diverse neue Sorgen hinzugekommen. In diesem Jahr, und genau jetzt, sind wir mit den Gedanken bei unseren europäischen Nachbarn in der Ukraine, die im vergangenen Dezember noch ein recht unbeschwertes Weihnachten feiern konnten. Nun keine Rede davon, wenngleich ich von Herzen hoffe, dass die Menschen in den durch den Krieg getroffenen Gebieten und auch alle Geflüchteten in der Welt und hier bei uns aus diesen Tagen ein Stück Hoffnung schöpfen können, weiter blau-gelb sehen statt nur schwarz. Die RAZ hat dies – wie Sie sicher gemerkt haben – seit dem ersten russischen Angriff bereits getan: Seither fanden Sie das Wappen-Zeitungslogo in den ukrainischen Farben vor. Ein Zeichen der Solidarität in Reinickendorf, wenn auch ein kleines, zugegeben. Aber es mag repräsentativ stehen für alle die anderen Zeichen, die hier von so vielen wunderbaren Menschen gesetzt wurden. Menschen, die ihre Herzen und ihre Türen für die Geflüchteten öffneten und öffnen, Spenden sammeln, die Probleme lösen und Leid mittragen, Hände reichen und Integration ermöglichen. Und das genau trotz all der Kraft, die Corona sie bereits gekostet hat. Dies zeigt: Hier bei uns lässt man sich nicht unterkriegen. Wir verfügen über ungeahnte Reserven, solange die Mitmenschlichkeit unsere Triebfeder ist. Möge diese uns auch 2023 leiten.

Ihnen allen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen hoffnungsvollen Rutsch ins neue Jahr!

Ihr Tomislav Bucec

Herausgeber

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf