Freitag, 09. Dezember 2022
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Wiesen nur einmal mähen

Wiesen nur einmal mähen
Das insektenfreundlich bepflanzte Staudenbeet am Zeltinger Platz

Bezirk – Die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren erhöhen: Das ist das Anliegen des Naturschutzbund (NABU), Ortsgruppe Reinickendorf. Denn wer Insekten und Vögeln helfen möchte, muss bei deren Nahrungslieferanten, den Pflanzen, anfangen.

Deshalb starteten die ehrenamatlichen Mitarbeiter 2021 das Projekt „Pflanzenmonitoring in Reinickendorf“. Hier dokumentieren sie mehrmals im Jahr den Pflanzenbestand auf Wiesen. Dabei wird die aufwachsende Vielfalt der Blütenpflanzen und Moose beobachtet, ihre Ausbreitung verfolgt, pflanzensoziologisch eingeordnet und bewertet.

Ganz besonders wichtig ist den Naturschützern dabei, so viele Menschen wie möglich an den Ergebnissen teilhaben zu lassen. So können sie selbst aktiv zu mehr Pflanzenvielfalt beitragen und schaffen damit ein breiteres Nahrungsangebot für Wildbienen und andere Insekten im ganzen Bezirk.

An der Emil-Fischer-Schule in Wittenau beispielsweise werden die Wiesen seit 2021 dokumentiert und auf der Webseite der Schule veröffentlicht. Ebenfalls 2021 fand ein Pflanzenmonitoring am Ackerrand in Lübars nahe der Siedlung Rathenow statt. Die Ergebnisse sind in einer Broschüre versammelt, die den Landwirten, Anwohnern und Behörden zugestellt wurde.

Die Monitoringergebnisse von drei Wiesen im Wittenauer Göschenpark und vier Wiesen im Medical Park in Tegel kamen bereits den Teilnehmern von botanischen Führungen durch die Parks zugute. Eine im letzten Jahr angelegte Wiese auf dem Gelände des Hermsdorfer Sport-Clubs wurde in diesem Jahr dokumentiert und die Ergebnisse mit Pflegevorschlägen mit dem Vorstand besprochen. Sie erscheinen demnächst auf der Webseite des Vereins.

„Allerdings gibt es kein Patentrezept, das für alle Wiesen gilt. Die Pflege muss immer den Gegebenheiten angepasst werden“, sagt Dr. med. Barbara Neuhaus vom NABU.

Dennoch lässt sich aufgrund der Untersuchungen belegen: Artenvielfalt ist keinesfalls von Regen oder vom Gießen abhängig. Sie benötigt vor allem Zeit, sich selbstständig entwickeln zu können, und das bedeutet, nicht zu häufig zu mähen und keinen Dünger einzusetzen. Optimal sei eine einzige Mahd im Oktober, denn dann sind kaum noch Insekten unterwegs und die Samen der Blumen und Gräser sind zum größten Teil auf den Wiesenboden gefallen, so die Naturschützerin.

Andere Mitglieder des NABU haben sich um die zwei großen Staudenbeete am Zeltinger Platz in Frohnau gekümmert, die sie im Frühjahr 2021 erstmalig mit Genehmigung des Grünflächenamtes mit 280 mehrjährigen, insektenfreundlichen Stauden bepflanzen durften und das ganze Jahr über (2021 und 2022) pflegten.

Die letzte Aktion war das Pflanzen von Frühlingsblumenzwiebeln auf öffentlichen und gemeinnützigen Grünflächen. Am zweiten Oktoberwochenende steckten Helfer der Bezirksgruppe und Mitglieder des HSC-Tennisclubs in Hermsdorf an der Kurfürstenstraße, Ecke Elsenbruchstraße, sowie an der Boumannstraße, auf dem Gelände des HSC, Zwiebeln in die Erde: insgesamt 2.000 verschiedene Krokusarten, Osterglocken, Traubenhyazinthen und Weißsternchen. „Insgesamt wollen wir noch knapp 6.000 Blumenzwiebeln in diesem Herbst versenken“, so Barbara Neuhaus.

Foto: NABU

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf