Freitag, 09. Dezember 2022
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Ein Parkplatz für Boote

Ein Parkplatz für Boote
Gordana Juretic und ihre Hunde vor der Minigolfanlage Foto: fle

Tegel – Man hat das Gefühl, sie war schon immer da: die Minigolfanlage und Bootsvermietung Mühl an der Sechserbrücke. So ganz stimmt das aber nicht. Denn früher befand sich hier der Eishafen der „Krystall-Eiswerke“, in dem Stangeneis produziert wurde. Aber das ist lange her. Seit mehr als 60 Jahren ist der Eishafen nun ein Parkplatz für Boote.

Von hier aus kann man am Tegeler See gemütlich „per Pedes“ über das Wasser schippern oder sich beim Minigolf messen. Schon morgens hatte Inhaber Manfred Mühl aus dem Fenster des kleinen Holzhauses geschaut und dann das Freizeitgeschäft Tag für Tag gemeistert. 1952 hatte er angefangen, hier zu arbeiten, 1956 den Bootsverleih komplett übernommen. Die Minigolfanlage kam 1958 hinzu.

Zehn Jahre ist es nun her, seitdem Gordana Juretic die Anlage von ihrem Stiefvater übernommen hat. Doch auch zuvor war der Ort ihr zweites Zuhause. „Ich bin ja eigentlich schon seit meinem achten Lebensjahr hier“, erinnert sie sich, „habe hier meine Schularbeiten gemacht und mein erstes Taschengeld damit verdient, mit einem kleinen Wagen saure Gurken auf der Promenade zu verkaufen. Und als ich älter war, habe ich hier in der Hütte Eis, Gurken und Würstchen verkauft.“

Als Belohnung durfte sie Tretboot fahren. „Das war eine echte Belohnung für mich, denn ich liebe das Wasser – bis heute. Nur heute bin ich fauler und fahre lieber Motorboot.“

18 Bahnen Miniaturgolf und rund 30 Tretboote warten während der Saison auf Kundschaft. „Unsere Ruderboote hat mein Stiefvater selbst gebaut, doch inzwischen sind die Inlays so mit Wasser vollgesogen, dass sie für den gewerblichen Gebrauch nicht mehr zur Verfügung stehen“, erklärt die 45-Jährige. Der Versuch, neue Ruderboote zu finden, war aussichtslos. Aus diesem Grund hat Gordana Juretic vor zwei Jahren Kajaks und zehn Kanadier angeschafft. So können auch Familien mit vier Personen bequem in einem Boot rausfahren.

Die Coronazeit hat das Unternehmen gut überstanden: „Wir waren wohl die Gewinner von Corona“, sagt die Inhaberin. Durch die Haushaltbeschränkungen konnte sie einzelne Haushalte auf die Boote lassen und hatte viel zu tun. Minigolf war ein paar Monate gesperrt, doch konnte bald wieder öffnen – mit einer Bahn Abstand zur nächsten Spielergruppe. „Die Menschen standen Schlange, denn viele andere Freizeitmöglichkeiten waren ja geschlossen.“

Dennoch – die Zeiten seien schwieriger geworden, da die Leute immer weniger Geld hätten. Früher wären Familien zum Minigolf-Spielen gekommen und hätten währenddessen hier auch etwas verzehrt. Ob Würstchen, Eis oder ein Kaffee. „Doch nun spielen sie Minigolf und gehen wieder.“

Der diesjährige Sommer sei jedoch sehr gut gewesen. Sie und ihr Team hätten alle Hände voll zu tun gehabt. Das lag allerdings auch am guten Wetter. „Sobald die Sommerferien vorbei waren, brach das Geschäft ein. Und wenn es auch nur etwas bewölkt ist, bleiben die Leute aus. Und wir sind ja eh vom Wetter abhängig – es muss trocken und windstill sein, sonst lassen wir niemanden aufs Wasser.“ Ein weiteres großes Problem seien die Mitarbeiter gewesen: „Im Sommer brauche ich bis zu 15 Leute, aber es war wirklich schwer, jemanden zu finden.“

Für dieses Jahr ist die Saison zu Ende, aber im nächsten Frühjahr öffnet sie wieder die Tore an der Sechserbrücke für eine Runde Minigolf-Spaß und Tretboot- oder Paddelrunden auf dem See. fle

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