Donnerstag, 01. Dezember 2022
Start Panorama Dem Bezirk auf der Spur

Dem Bezirk auf der Spur

Dem Bezirk auf der Spur
Nicole Borkenhagen

Reinickendorf – Er fördert die Volksbildung durch Veranstaltungen wie Vorträge, Besichtigungen und Reisen. Er pflegt die Darstellung der Reinickendorfer Kultur- und Heimatgeschichte, unterstützt die städtepartnerschaftliche Arbeit und die internationalen Beziehungen des Bezirks. Die Rede ist vom Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf – einem Verein, der seit 1979 besteht. Ende Juni wurde ein neuer Vorstand gewählt. Die RAZ sprach mit dem neuen Vorsitzenden Ulf Wilhelm und der stellvertretenen Vorsitzenden Nicole Borkenhagen über den Verein und Pläne für 2023.

Was hat es mit dem Verein auf sich?

Nicole Borkenhagen: Der Verein, wie er sich jetzt darstellt, ist aus zwei verschiedenen Vereinen entstanden. Der Förderverein für deutsch-französische und internationale Beziehungen und der Förderkreis sind miteinander mit insgesamt knapp 100 Mitgliedern verschmolzen durch Aufnahme der Mitglieder des Deutsch-Französischen Vereins.

Ulf Wilhelm: Es geht bei uns um alles, was mit der Geschichte und Kultur von Reinickendorf zu tun hat, wir widmen uns der städtepartnerschaftlichen Arbeit. So waren wir auch ganz stark in den Erhalt und die Einweihung der Gedenkstätte Alter Anstaltsfriedhof eingebunden sowie bei der Sanierung der alten Mauer.

Ein wichtiger Bereich unserer Vereinsarbeit ist auch die Herausgabe von Schriften zur Ortskunde und Historie von Reinickendorf. Aktuell erschienen ist unser Doppelband zum Ortsteil Tegel, welcher nicht mit dem Werk von Axel Reibe „Tegel – Beiträge zur Großstadtwerdung eines Dorfes“ verwechselt werden sollte. Unser Tegel-Doppelband ist von unserem Mitglied Klaus Schlickeiser und ist im lokalen Buchhandel erhältlich.

Nicole Borkenhagen: Des Weiteren hat unser Verein auch verschiedene Arbeitsgruppen – zum Beispiel die AG Stolpersteine. Die Aktion als Zeichen gegen das Vergessen wurde von Künstler Gunter Demnig 1992 ins Leben gerufen. Auch die ausschließlich aus Frauen bestehende AG Töpfern gehört zum Verein. Dieser stellt die historische Verbindung zum Museum Reinickendorf dar, denn die Frauen töpfern dort ihre Keramiken und stellen auf diese Weise die alte Handwerkskunst dar. Unser Vereinsmitglied Peter Rode arbeitet mit Flachs und zeigt Schülern die alte Spinntechnik mit diesem Material. Uwe Borkenhagen als ehemaliger Vorsitzender des Bezirksschulbeirates verstärkt den Vorstand als weiterer Stellvertreter, um den Kontakt mit Schulen und Schülern zu intensivieren. Der Verein soll sich so auch jüngeren Menschen und ihren Ideen öffnen.

Sie organisieren allerdings auch Veranstaltungen.

Ulf Wilhelm: Ja, das ist richtig. Wir wollen auf diese Weise Kulturen sichtbar machen, die sonst nicht so sehr im Fokus stehen. Die jüngste Veranstaltung, „Lateinamerika pur“ am 6. Oktober in der Humboldt-Bibliothek, zu der über 100 Interessierte kamen, gehört auch dazu. Solche kulturellen Veranstaltungen wollen wir regelmäßig pro Quartal anbieten. So ist bereits ein Infoabend über Albanien Ende November geplant.

Welche Veranstaltungen stehen für 2023 schon fest?

Es wird eine Veranstaltung zu Kennedy in Berlin 1963 geben – genau sechs Jahrzehnte nach seinen berühmten Worten „Ich bin ein Berliner“. Unser Vereinsmitglied, Moderator Alexander Kulpok, hat einiges darüber zu erzählen, stand er doch als Hörfunk-Reporter dem Hoffnungsträger Kennedy gegenüber und übersetzte seine Rede für alle Rundfunkanstalten in Europa. Aber auch dem am 26. Januar 1963 unterzeichneten Elysee-Vertrag, der den Beginn der deutsch-französischen Freundschaft markierte und einen Meilenstein im europäischen Integrationsprozess setzte, wird der Verein einen Abend widmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner

Ulf Wilhelm Fotos (2): fle

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf