Freitag, 09. Dezember 2022
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Schuhspenden für Geflüchtete

Schuhspenden für Geflüchtete
Peter Bartels Lieblingsbeschäftigung: Mit dem Tretroller ist er beinahe täglich unterwegs, hier zwischen Sacrow und Kladow. Foto: bek

Frohnau – Meist düst er ja mit seinem Tretroller über den Berliner Mauerweg, aber immer wieder war Peter Bartel in den letzten Wochen auch vor Supermärkten in Frohnau zu finden. Hier bot er Mirabellen an, die der Frohnauer von freistehenden Büschen auf dem Stolper Feld gesammelt hatte – gegen eine von dem Erwerber selbst zu bestimmende Spende. „Dadurch bekam ich Kontakt zu Menschen, die ich auch um eine Schuhspende bitten konnte“, erzählt der Frohnauer. Hintergrund: Der für seine soziale Ader bekannte inzwischen 80-Jährige war vom „Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit“ gebeten worden, sich in Berlin um dringend benötigte Laufschuhe (also keine Hausschuhe, Gummistiefel, Badelatschen) für Flüchtlinge zu kümmern.

Mit den Aachenern war Peter Bartel vor einigen Jahren bei einem Friedenslauf von Sarajevo durch Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich und Be-Ne-Lux über gut 2.500 km mit seinem Tretroller unterwegs bis nach Aachen, wo bekanntlich der Friedenspreis verliehen wird. Das Netzwerk hatte den Verein „Wir packen’s an“ gegründet, Bartel ist seit ein paar Tagen dessen Repräsentant. „Viele Mitbürger haben die Schränke voll mit Schuhen, die nicht zerschlissen und lauffähig nutzbar sind, aber nicht mehr genutzt werden. Diese bitte ich an meine Adresse Fuchssteiner Weg 33, 13465 Berlin zu spenden“, sagt Bartel. „Ich hole auch gerne ab!“ Letzter Spendenstand am 17. Oktober waren 138 Schuhpaare.

Dabei erlebte er an diesem warmen Montag eine schöne Überraschung. Als er von einer Roller-Tour nach Hause kam, stand quasi zur Belohnung für die selbst gewählte Anstrengung eine Tüte mit vier Paar erstklassigen Laufschuhen als Spende für die Flüchtlinge an der Haustür. „Meine permanente Werbung hat also weiterhin Erfolg, er könnte gerne auch noch etwas größer sein“, sagt er.

Seine Geschichte beim diesjährigen Berlin-Marathon passt bestens dazu: Bartel unterstützte wie im Vorjahr mit ausdrücklicher Zustimmung des Renndirektors Mark Milde die Besenwagencrew von Christian Löw („Prima Klima Reisen“) und bewegte die schwächelnden Läuferinnen und Läufer zum Durchhalten: „Schon nach zwei Kilometern bekam ich Kontakt zu einer ängstlich laufenden Ukrainerin. Sie sprach etwas Englisch und so konnte ich Anzhela Schults von Kilometer zu Kilometer Tipps geben, sie zum Trinken animieren und zum Schluss auch mit Magnesium aus meiner Gürteltasche gegen ihre Krämpfe versorgen“, erzählt Roller-Peter. Beide liefen bzw. rollten gemeinsam nach gut sechs Stunden über die Ziellinie. „Zum Schluss begleitet von ihrem Mann, der die ukrainische Nationalflagge trug. Und sogar ich bekam im Ziel eine Medaille umgehängt. Das hat mich alles sehr bewegt und stärkt mich weiter, mit meinen Bemühungen um Schuhspenden durchzuhalten.“ bek

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