Donnerstag, 02. Februar 2023
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Kleines Stück fürs große Ganze

Kleines Stück fürs große Ganze
Das neue Trittsteinbiotop: Steine und Totholz bieten Aufenthaltsraum für diverse Tierarten.

Reinickendorf – Nur wenige Insider dürften bis dato den Begriff „Piko-Park“ kennen, zumal es sich um ein noch sehr junges Projekt handelt. Piko-Parks (Piko = piccolo) sind ein neuer Grünflächentyp im urbanen Bereich, kleine naturnahe Parks, die zum Erholen und Erleben einladen. Sie haben in der Regel eine Fläche von nicht mehr als 300 Quadratmetern. Ziel ist es, die Biodiversität von Flora und Fauna zu fördern. Zurzeit gibt es erst sieben dieser Anlagen in sechs deutschen Städten.

Der deutschlandweit achte dieser Mini-Parks ist am 29. September seiner Bestimmung übergeben worden. Er befindet sich im Wohngebiet Märkische Scholle an der Rasch­dorffstraße 75 in Reinickendorf-Ost. Er ist sowohl für die Anwohner als auch für Erholungssuchende aus nah und fern öffentlich zugänglich. Die Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle und die Stiftung für Mensch und Umwelt haben dieses Pilotprojekt gemeinsam initiiert. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz hat es gefördert.

Die neue Grünanlage präsentiert die heimische Pflanzenwelt in drei verschiedenen Themenbeeten. In der mageren Stauden­mischpflanzung blüht es scheinbar unsortiert und bunt. Kornblume, Kartäusernelke, Glockenblume, Wilde Möhre oder auch Färberkamille haben hier eine Heimat gefunden. Essbare Wildpflanzen, etwa diverse Beeren, grüßen im nächsten Beet. Ein Habitat arrangiert Totholz in Verbindung mit Stein. Hier fühlt sich besonders die Tierwelt wohl. Der aufmerksame Beobachter kann Insekten und Reptilien entdecken. Marienkäfer, Molche, Erdkröten, Zauneidechsen oder die harmlose Ringelnatter suchen hier Aufenthalt. Die Blumen locken Wildbienen.

Mittendrin laden Sitzbänke zum Verweilen ein, schließlich dient alles gleichfalls der Wohnumfeldverbesserung. „Wir wollen den Aufenthaltscharakter in den Wohnanlagen deutlich erhöhen“, erzählt Projektleiter Sven Stark-Syring, Märkische Scholle eG. Einfache Rasenflächen seien zwar bei guter Pflege schon grün, aber einfallslos sowie wenig divers. Apropos Pflege: Die Wohnungsbaugesellschaft setzt auf den Mitmacheffekt. Beteiligung der Anwohner ist ausdrücklich erwünscht. Das Interesse scheint vorhanden, zur Eröffnung des Piko-Parks kommen rund 50 von ihnen.

Die in den 800 Wohnungen der Scholle lebenden 1.200 Mieter dürfen sich gleich an diesem Tag aktiv betätigen. Nur wenige Schritte weiter, vor dem Hauseingang Reginhardstraße 162, wird am selben Tag ein so genanntes Trittsteinbiotop eröffnet. Jeder darf mit Spaten Frühjahrsblüher pflanzen. Mehr Artenreichtum durch heimische Pflanzen, Totholz und Steine ginge auch auf kleinem Raum, heißt es aus der zuständigen Senatsverwaltung. Ein dichtes Netz naturnaher Biotope würde die Stadtnatur, lebendiger und stabiler machen, meint Katrin Heinze vom Referat für Naturschutz, Landschaftsplanung und Forstwesen. Der nächste Piko-Park befindet sich bereits in Planung, er entsteht am Büdnerring.ks

Katrin Heinze (Senatsverwaltung), Jochen Icken (Vorstand Märkische Scholle) und Dr. Corinna Hölzer (Stiftung Mensch und Umwelt) Fotos (2): ks

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