Dienstag, 04. Oktober 2022
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Pöbeln an der Hatzfeldtallee

Pöbeln an der Hatzfeldtallee
Vor ein paar Wochen waren Stefan Kolbe und Elke Duda noch zuversichtlich, was die Fusion angeht. VfL-Mitglieder dachten anders. Foto: bek

Tegel/Wittenau – Die von den Vereinsvorständen des VfL Tegel und TSV Wittenau angestrebte Verschmelzung ihrer beiden Klubs zu einem Großverein ist geplatzt. Unter teilweise tumultartigen Umständen ging die außerordentliche Mitgliederversammlung des VfL Tegel am 27. August zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte. Zu einer Abstimmung kam es nicht mehr. Der Vorstand – Präsident Stefan Kolbe, Vizepräsident Lutz Bachmann, Sportwart Bernd Gaebel, Hans Welge (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) und Gabriele Karber (Organisation) – trat daraufhin zurück, nur Kassenwart Michael Zotzmann blieb noch an Bord.

Zuvor hatte der TSV Wittenau mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für die Fusion gestimmt. Das hätte laut Satzung nicht gereicht, „aber es waren auch nur ganz wenige Mitglieder da. Wir hätten die Abstimmung zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal wiederholen können“, sagte Elke Duda vom TSV-Vorstand. Was dann bei der VfL-Versammlung passierte, sei unterste Schublade gewesen. „Da wurde aufs Übelste gepöbelt, auch gegen uns als TSV Wittenau“, so Duda. „Dabei ging es uns darum, etwas Positives zu schaffen.“

Stefan Kolbe als einer der Hauptinitiatoren der Fusion wurde verbal beleidigt und sogar tätlich angegriffen. Er wartete eine halbe Stunde in einem Lagerraum im Vereinsheim an der Hatzfeldtallee ab, wurde dann unter „Geleitschutz“ vom Gelände geführt. „Von Beginn an herrschte eine überaus aggressive Stimmung im Saal. Ich habe auch eine Idee, wer das angezettelt hat, möchte mich dazu aber nicht näher äußern“, sagt der beruflich als Richter tätige Kolbe. „Die Fusion ist vor allem an Whatsapp, Twitter und Co. gescheitert. Und an der Unfähigkeit einiger Mitglieder, sich sachlich mit der ganzen Thematik auseinanderzusetzen.“

Dabei hatte man eigens eine Sonderausgabe gemeinsam mit dem TSV Wittenau (VfL Info und TSV Echo) herausgebracht, in der noch einmal alle Argumente pro Verschmelzung detailliert aufgeführt wurden.

Notar Jürgen Pufahl, der „Fusionsguru“ in Berlin, der schon etliche Vereinsverschmelzungen notariell begleitet hat, sagte: „So etwas wie hier habe ich in all den Jahren noch nie erlebt.“ Auch Eberhard Heck, Vizepräsident Recht des Landessportbundes Berlin, der als Versammlungsleiter durch die Veranstaltung führen sollte, war erschrocken.

Kolbe legt sein Hauptaugenmerk nun auf seine Tätigkeit als Präsident des Bezirkssportbundes Reinickendorf. Über die Ereignisse am 27. August kann er nur den Kopf schütteln: „Gewalt ist ohnehin etwas Furchtbares, aber in einem Sportverein geht das so überhaupt nicht.“ bek

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