Dienstag, 04. Oktober 2022
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Jubel-Jette dreht die Orgel

Jubel-Jette dreht die Orgel
Jubel-Jette mit ihrer Drehorgel in Aktion. Foto: kbm

Hermsdorf – 1950 in Berlin geboren, in Hamburg aufgewachsen. Als Christa Hohnhäuser 1976 in ihre Heimatstadt zurückkehrte, führte ihr beruflicher Weg sie zum Verkehrsamt Berlin. Und als 1980 dort erstmals das „Internationale Drehorgelfest in Berlin“ veranstaltet wurde, war dessen Organisation ihre Lieblingsaufgabe. Die Drehorgel, auch Leierkasten genannt, wuchs ihr dabei so ans Herz, dass sie begann, das Instrument selbst zu spielen. Die Berliner Originale „Drehorgel-Ebi“ (Eberhard Franke aus Wedding) und Margot Wolff motivierten sie. Beide verstarben später innerhalb kürzester Zeit am 12. und 14. Dezember 2020.

Als Christa Hohnhäuser das Verkehrsamt 1985 verließ, stellte sie einen Antrag, das „Lustbarkeitsgewerbe des Drehorgelspielens“ ausüben zu dürfen. Sie machte – genau anders herum als üblich – sozusagen ihren Beruf zum Hobby, kaufte ihr erstes Instrument und gründete den Verein „Internationale Drehorgelfreunde Berlin e.V.“, der das Treffen von damals weiterführt.

Inzwischen ist sie unter dem Namen „Jubel-Jette“ eine Institution und zudem Präsidentin des Vereins. Nach zwei Jahren Corona-Pause konnte sie Anfang Juli das „41. Internationale Drehorgelfest Berlin 2022“ am Ku‘damm organisieren. Von Freitag bis Sonntag, kamen tausende Besucher aus aller Welt, um das zu erleben. Höhepunkte waren am Samstag ein Umzug mit etwa 150 Teilnehmern aus neun Nationen über den Kurfürstendamm und am Sonntag das traditionelle, klassische Drehorgel-Konzert mit 14 Instrumenten in der Gedächtniskirche.

Die Drehorgel hat Tradition in Berlin. In den Nachkriegsjahren zogen Frauen und Männer mit Leierkästen durch die Straßen, spielten auf Hinterhöfen und erfreuten die Mieter und besonders die, die an die Wohnung gefesselt waren. Als Dank flogen dann 5- und 10-Pfennig-Stücke in Zeitungspapier eingewickelt zu den Musikanten nach unten, die manchmal auch einen Affen dabei hatten. Oftmals wurden sie von einer Kinderschar begleitet, die das Geld aufsammelte.

Heute spielt Christa Hohnhäuser bei privaten Feiern und öffentlichen Anlässen; ihr Programm richtet sich nach den Wünschen der Gastgeber. Als Berliner Original kann sie richtig Stimmung machen: „Nu‘ wolln wa ma so richtisch Stimmung mach‘n! Komm ma‘ ran hier, sollst ma seh’n wie man im Handumdrehn seine Jroschen vadienen kann!“

Ihr wertvolles Instrument „stammt aus der berühmten Berliner Drehorgeldynastie Bacigalupo und ist der Rolls Royce unter den Leierkästen“, erklärt Christa Hohnhäuser nicht ohne Stolz. Als Berliner „Maskottchen“ begleitete die Hermsdorferin die früheren Berliner Bürgermeister Diepgen und Wowereit auf offiziellen Reisen nach Rom, Budapest, London, Madrid und Hongkong. kbm

Jubel-Jette

Tel. 40 53 68 84

E-Mail: info@jubel-jette.de

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