Dienstag, 04. Oktober 2022
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Ein Stück Natur hinter den Hochhäusern

Ein Stück Natur hinter den Hochhäusern
Jonathan Stahlberg mit eigener Ernte in der „Alten Fasanerie“ Foto: fle

Lübars – Im Hintergrund erheben sich die Hochhäuser des Märkischen Viertels. Dort wohnen rund 40.000 Menschen. Doch in der Alten Fasanerie unweit der Quickborner Straße merkt man von den vielen Menschen so gut wie nichts. Die Schafe grasen im hohen Bewuchs, vorn im kleinen See quaken die Frösche und die Bienen summen um ihre Stöcke herum.

Jonathan Stahlberg führt mich durch das 23.500 Quadratmeter große Areal. Er bildet gemeinsam mit Jonas Fischer die Hofleitung und nimmt mich als erstes mit zum Garten samt Gewächshaus. Dort herrscht ein schwüles Klima – heiß und feucht. Das kommt bei den hier angebauten Pflanzen gut an – Tomaten reifen heran und sogar Wassermelonen gedeihen super. Draußen wachsen Zucchini, Kürbisse, Kartoffeln und andere Gemüsesorten. Weiter hinten scharren die Hühner im Sand, und die Meerschweinchen knabbern genüsslich an Gurkenscheiben.

Alles scheint so wie immer – und doch ist alles etwas anders: Schon allein der Name hat sich geändert – von Jugendfarm Lübars in „Alte Fasanerie“. Back to the Roots könnte man meinen, denn im Jahr 1740 begann König Friedrich auf der Lübarser Feldmark eine Fasanerie zu errichten – daher der heutige Name.

Ein kurzer Rückblick: Im Jahr 2013 bewarb sich das Elisabethstift um das knapp 23.500 Quadratmeter große Gelände. Es handelt sich beim Elisabethstift um eines der ältesten Kinderheime Berlins, das sich seit 1826 für Kinder und Jugendliche und deren Familien einsetzt. Wo immer eine Not erkannt wird, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dieser zu begegnen und den Familien eine Chance zur Veränderung zu bieten. Das sollte auch auf der Familienfarm umgesetzt werden.

„Nachdem 2020 die Tiere aufgrund des Wegfalls von Förderungen abgegeben wurden, gab es einen Strategiewechsel, und seitdem geht es wieder aufwärts“, erklärt Jonathan Stahlberg. Acht Mitarbeiter sorgen dafür, dass auf der Alten Fasanerie alles läuft. Unterstützung erhalten sie von rund 20 Ehrenamtlichen, die meist aus der näheren Umgebung kommen. „Doch nicht nur das – sogar einige Tiere sind auf die Farm zurückgekehrt, und auch die neuen Angebote, vor allem für die kleinen Besucher, kommen gut an.“ Es gibt wöchentliche Angebote: vom Töpfern über die Holzwerkstatt bis zum Brotbacken. Zudem findet jeden Samstag von 13 bis 18 Uhr die Farmzeit statt – ein offenes Angebot für Kinder und deren Eltern mit Basteln, Bumerangbau, Lagerfeuer und Konzerten. Jeder Sonnabend gestaltet sich anders. Auch eine Fahrradwerkstatt wurde eingerichtet. Sie findet jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr statt. Ein Eltern-Kind-Garten findet jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr statt.

Das Programm „Vom Feld auf den Tisch“, bei dem Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren montags und donnerstags zwischen 15.30 und 17.30 Uhr entspannt zusammen sind, Gemüse und Obst anpflanzen und leckere Gerichte kochen, ist bereits im März gestartet. „Wir blicken positiv in die Zukunft“, erklärt Stahlberg. Denn alles, was nun gestartet ist, läuft gut.

Zudem verwaltet die Alte Fasanerie den Grillplatz vom Bezirksamt nebenan, der ebenfalls gut gebucht wird. Und wer etwas zu feiern hat, ist auf dem Gelände auch genau richtig: Da ist zum einen die Tenne, in der Feiern stattfinden können; die hat allerdings einen anderen Betreiber. Aber auf der Farm gibt es noch das Hoftheater.

Die ehemalige Jugendfarm Lübars ist auch heute noch für jeden da. Mitten in der Natur ein Ort zum Aufatmen, Staunen, Feiern, Lernen und Mitmachen – ein Begegnungsort für jung und alt – verbunden mit nachhaltigem sozialem Engagement für Kinder dieser Stadt. fle

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