Dienstag, 04. Oktober 2022
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Strandbad für zwei Tage dicht

Strandbad für zwei Tage dicht
Super-Badewetter, aber die „ikonische Rutsche“ ist, wie der Sprungturm, noch gesperrt. Fotos (2): bs

Tegel – Im Juni hat es mächtig gekracht zwischen dem Strandbad Tegelsee und der Senatsverwaltung für Umwelt. Wegen Unstimmigkeiten bezüglich der Toilettenanlage musste das Strandbad sogar zwei Tage schließen. Udo Bockemühl, Betriebsleiter des Strandbads, spricht im Nachhinein von einer „komplett irren Situation“.

Noch sind die stationären Toiletten nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Für die Zwischenzeit sollten mobile Toilettenwagen für Abhilfe sorgen. Diese wollte die Senatsverwaltung im Wasserschutzgebiet aber nicht genehmigen. Dixi Klos waren noch viel weniger erwünscht. Und das alles in der gerade anlaufenden Hochsaison.

Bockemühl erzählt, dass er zum Telefonhörer gegriffen habe, um Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) zu informieren. Dieser habe umgehend die Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) angerufen und dann entspannte sich die Situation. Noch müssen die Toiletten in den Wagen aufgesucht werden, die über die Hebeanlage mit der Kanalisation verbunden sind. Aber Bockemühl berichtet, dass jetzt die in der Erde verlegten „Rohre des Toilettenhauses Süd verschweißt“ seien und alsbald in Betrieb genommen werden können.

Aber auch an anderer Stelle läuft die zweite Saison des Strandbades nach Wiedereröffnung nicht ganz reibungslos. Noch immer sind die Rutsche und der Sprungturm nicht freigegeben. Es hängt an einer Baugenehmigung, die, so Bockemühl, bereits im Jahr 1997 ausgelaufen sei. Demnach hätten die Berliner Bäder-Betriebe, die das Bad zuvor verantworteten, viele Jahre die Anlagen ohne Genehmigung betrieben. Bockemühl zeigt dafür viel Verständnis, da er auch geglaubt hatte, dass nach der TÜV-Abnahme alles erledigt gewesen sei. Nun komme die Senatsverwaltung mit Fragen nach Statik, die dazu führen könnten, dass die „ikonische Rutsche“ neu gebaut werden müsse.

Bockemühl zeigt sich „genervt“. Die Fragen hätte man alle „im Winter oder Frühjahr abräumen können“. In der Pressestelle vom Bezirk ist von größeren Schwierigkeiten nichts bekannt. Dafür ist der Betriebsleiter voll des Lobes über den für die Sommerferien aufgenommenen Busbetrieb zum Strandbad. Alle 40 Minuten fährt er die Haltestelle „Scharfenberg“ an und wird gut genutzt. Auch die zuletzt kritisierte Bezeichnung des Busses ist mittlerweile umgestellt und verweist auf das Ziel Strandbad. Der Betriebsleiter ist mit der Saison 2022 ausgesprochen zufrieden. Schon jetzt seien so viele zahlende Gäste gekommen, wie im ganzen vorherigen Jahr.

Sorgen mache ihm der niedrige Wasserstand des Tegeler Sees. Die außergewöhnliche Hitze habe dazu geführt, dass das Wasser im Bereich des Steges um „sechs Meter zurückgegangen ist“. Die Besucher freuen sich über mehr Strand.

Auch die 60 ukrainischen Flüchtlingskinder genießen im Kindercamp in den Sommerferien die Anlage, die so lange im Dornröschenschlaf versunken war. Die Kinder werden von jeweils Donnerstag bis Sonntag vom „Verein Neue Nachbarschaft Moabit e.V.“ betreut und bespaßt. Übernachtungen sind auf dem Gelände jedoch nicht erlaubt.

Eine weitere besondere Attraktion wurde am vergangenen Wochenende offiziell in Betrieb genommen: Die lange angekündigte Solarfähre ist nun von „Ingenieure ohne Grenzen e.V.“ fertig gestellt worden. Die Ingenieurin Lena Rost hatte mit Ingenieur David Wuttke letzte Hand an das Pontongefährt gelegt, das mit Sonnenenergie und einer Geschwindigkeit von 5 Stundenkilometern den Tegeler See abfahren soll. Wenn die Sonne ordentlich auf das Dach mit den Solarpanelen scheine, könne das Boot bei Eigenverbrauch von 700 Watt ohne Zuführung von gespeicherter Energie aus der Batterie durch das Wasser pflügen, erklärt Ingenieurin Rost. Es sollen Erkundungsfahrten über Workshops angeboten werden, für die sich jeder anmelden kann.

bs

Strandbad-Betreiber Udo Bockemühl freut sich über die Busanbindung.

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