Dienstag, 04. Oktober 2022
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„Die Schonfrist ist vorbei“

„Die Schonfrist ist vorbei“
In Höhe des U-Bahnhofs Tegel wird es auf der Berliner Straße oftmals ganz besonders eng. Foto: bek

Tegel – Mit dem Fahrradweg in der Berliner Straße dürfte es auf absehbare Zeit eher nichts werden. Der geplante Radweg ist Teil der so genannten Reinickendorf-Route, eine von neun geplanten Radschnellweg-Verbindungen durch Berlin. Die Route von der Stadtgrenze über die Ruppiner Chaussee, Berliner Straße und Seidelstraße bis zum Kurt-Schumacher-Platz wurde schon im Frühjahr 2021 im Verkehrsausschuss kritisiert, als noch Katrin Schultze-Berndt von der CDU Verkehrsstadträtin war. Nun wurde die Kritik, die Route durch die Berliner Straße zu führen, in der letzten Sitzung des Verkehrsausschusses erneuert, wie die Berliner Woche berichtete. Dabei haben sich die Mehrheitsverhältnisse doch verändert …

Für Anwohner Klaus Büchner ein katastrophales Signal. „Ich hatte ja schon vor einigen Monaten angemerkt, dass ein Fahrradweg in der Berliner Straße niemals gebaut werden wird. Jetzt heißt es: Baubeginn frühestens 2026 – das bedeutet nach Berliner Erfahrungen: NIE“, teilte Büchner per Mail der RAZ mit. Die Mail ging unter anderem auch an das Fahrradfreundliche Netzwerk Reinickendorf, das sich mit Demos und Aktionen mit bis zu 500 Teilnehmenden schon in den Jahren 2020 und ’21 intensiv für die Errichtung einer Pop-Up Bikeline eingesetzt hatte.

„Wir können absolut nicht nachvollziehen, dass hier so wenig passiert und die aktuellen Pläne auch noch so sehr in der Kritik stehen. Die Schonfrist für das neue Bezirksamt ist unserer Meinung nach mittlerweile vorbei und wir erwarten, dass noch in diesem Jahr etwas passiert und in der Berliner Straße in Tegel eine Pop-Up Bikelane übergangsweise errichtet wird, bis die Umsetzung des Radschnellwegs im Jahr 2027 oder später geschieht“, sagt Julius Rachlitz vom Netzwerk. „Im Detail können wir die Verhinderungsargumente der Bezirksverordneten der BVV Reinickendorf genau so wenig nachvollziehen wie Herr Büchner.“

Während Bündnis 90/Die Grünen laut Büchner meinen, dass dort Fahrgäste der BVG „über die Fahrbahn hetzen“, die CDU glaubt, dass „Fahrradwege Probleme für blinde Menschen bringen“ und fraktionsübergreifend die Meinung geäußert wurde, dass „an dieser ohnehin hochfrequentierten Stelle für Radwege kein Platz ist“, sagt Rachlitz: „Der Radverkehr würde den Autoverkehr trotz reduzierter Anzahl der Spuren für die Kfz nicht ausbremsen, da erstens der Zulauf zur Berliner Straße bereits auf Grund der Busspur auf eine Autospur reduziert wurde und zweitens die zweite Autospur ohnehin nicht durchgängig befahrbar ist – auf Grund von Parkern in der zweiten Reihe. Die Kapazität der Straße würde also durch separierte Fahrradspuren nicht reduziert.“ Zudem sei die Berliner Straße zwischen Veit- und Bernstorffstraße weniger stark belastet als die einspurigen Straßen Hermsdorfer und Waidmannsluster Damm.

Die Argumente der Bezirksverordneten bezögen sich auf den Haltestellenbereich Alt-Tegel. Rachlitz: „Hier wäre es ohne Probleme möglich, den Fahrstreifen neben den Bussen rechts und links abzupollern und mit Fahrradpiktogrammen zu markieren, auch wenn das in den derzeitigen Regelplänen zu Pop-Up Radwegen nicht vorgesehen ist.“ Rachlitz empfiehlt der grünen Verkehrsstadträtin Korinna Stephan einen Austausch mit Felix Weißbrich, der in Friedrichshain-Kreuzberg Pop-Up Bikelanes innerhalb von zwei Wochen möglich machte.

Felix Lederle von den Linken sagt: „Die Linksfraktion in der BVV befürwortet und unterstützt die Planung des rot-grün-roten Senats und der vom Senat beauftragten infravelo, eine Radschnellroute über die Berliner Straße zu führen. Wir haben das vielfach und zuletzt vor wenigen Wochen im Rahmen einer Debatte in der BVV zu einem anderslautenden Antrag sehr deutlich gemacht.“ red

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