Dienstag, 04. Oktober 2022
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Den höchsten Baum Berlins hat er selbst gepflanzt

Den höchsten Baum Berlins hat er selbst gepflanzt
Quelle: Wikipedia/LeastCommonAncestor

Den heute noch höchsten Baum Berlins, eine Lärche im Tegeler Forst, hat er gepflanzt – vor über zwei Jahrhunderten! Der königlich-preußische Oberforstmeister der Kur Brandenburg, Friedrich August Ludwig von Burgsdorf, hat sich schon früh mit dem Problem des Rohstoffverbrauchs beschäftigt.

Trotz der nach heutigen Maßstäben geringen Bevölkerungsdichte wuchs der Bedarf an Holz zum Heizen und Bauen rapide. Bereits der „bloße Augenschein“ ließ Burgsdorf den übermäßigen Verbrauch erkennen. Er schlussfolgerte, dass die „in neueren Zeiten erfundene Schätzung der Wälder, mit Vergleichung der bisherigen Bedürfnisse aus denselben sehr traurige Blicke in die nahe Zukunft thun“ lässt. Er schlug vor, „kräftigere, künstlerische Mittel“ anzuwenden, worunter er unter anderem den Anbau schnell wachsender Sorten verstand.

Seine zunächst militärisch ausgerichtete Laufbahn fand ihr jähes Ende durch eine tödliche Verletzung, die Burgsdorf ausgerechnet dem Neffen seines Generals beim Spiel zufügte. Der anschließende Wechsel in die Forstwirtschaft verlief nicht ganz reibungslos, auch wenn der Wald für den einzigen Sohn eines Oberjägermeisters eigentlich vertrautes Terrain war.

Zunächst gelang es Burgsdorf nicht, eine seinem Rang angemessene Stelle zu finden. 1777 erwarb er in Tegel vom „invaliden Hauptmann von Ziegelhorn“ ein eigenes Revier, das mit einer Forstsekretärsstelle verbunden war. Als frisch gebackener Forstrat machte er sich umgehend an den Anbau großer Plantagen. Bei seiner Holzzucht setzte er auch auf widerstandsfähige ausländische Sorten. Mit einer von ihm angelegten umfangreichen Samensammlung, die auch von wissenschaftlichem Interesse war, betrieb er einen lukrativen Handel. Zudem unterrichtete Burgsdorf die „unwissenden Jagdpagen in der Forstwissenschaft“. Mit einem im Auftrag Seiner Majestät veröffentlichten Forstbuch erwarb er sich nach eigenen Worten „das Allerhöchste Königliche Zutrauen“. Für den seiner bescheidenen Einschätzung nach nicht sonderlich poetischen Stil entschuldigt er sich beim Leser: „Die Schreibart ist freilich nicht geschmückt; sie verrät, ich gestehe es aufrichtig, an vielen Stellen die Müdigkeit, mit der ich oft noch schreibe.“

Burgsdorf trat dem erlesenen Zirkel der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin bei, die 1773 zur Beförderung der Naturgeschichte ins Leben gerufen worden war, und der auch Alexander von Humboldt und der Dichter Adelbert von Chamisso angehörten. In späteren Jahren finanzierte der Verein jene Expedition, die das berühmte Dinosaurierskelett im Naturkundemuseum nach Berlin brachte. Noch heute besteht die GNF mit Sitz am FU-Institut für Zoologie und zeichnet jährlich Studierende aller drei Berliner Universitäten aus.

Burgsdorfs Frau Friederike Sophie kam 1784 bei des Geburt des achten Kindes ums Leben. Keine sechs Monate nach ihrem Tod heiratete der Witwer ihre Schwester. Vor 220 Jahren, im Juni 1802, verstarb der Oberforstmeister im Alter von 55 Jahren, nachdem er sich nie vollständig von seinem Schlaganfall im Jahr zuvor erholt hatte. Das Museum Reinickendorf erinnert in seiner „Försterstube“ an den Vordenker für nachhaltige Waldwirtschaft.bod

Foto: Wikipedia/LeastCommonAncestor

Kupferstich aus der Schrift „Versuch einer vollständigen Geschichte vorzüglicher Holzarten“ von Burgsdorf

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