Donnerstag, 01. Dezember 2022
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Gustav Landauer – ein Kämpfer für den Pazifismus

Gustav Landauer – ein Kämpfer für den Pazifismus
Gustav Landauer

Gemeinsam mit der Schriftstellerin Hedwig Lachmann, die in der letzten RAZ-Ausgabe vorgestellt wurde, zog Gustav Landauer vor 120 Jahren nach Hermsdorf. An der Schloßstraße 17 erinnert noch immer eine Gedenktafel an den Autor und politischen Aktivisten, der sein pazifistisches Engagement am Ende mit dem Leben bezahlte. Eine erste Gefängnisstrafe erhielt er bereits 1893 wegen Versammlungsdelikten. Sieben Jahre später verbüßte er zudem eine Haftstrafe in Tegel.

Im Oktober 1894 ging Landauer seine erste Ehe mit der der Schneiderin Margarethe Leuschner ein. Nach der Geburt der beiden Töchter wurde es finanziell so eng, dass sein Bruder Hugo der Familie zeitweise unter die Arme greifen musste. Nachdem die Ehe zerbrach, lernte Landauer auf einem Dichterkreis Hedwig Lachmann kennen, mit der er zusammen „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde übersetzte und die 1903 seine zweite Ehefrau wurde.

Ein Monument, für das er sich starkmachte, prägt noch heute das Bild der Hauptstadt: die Berliner Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz. Der fördernde Verein ging aus der deutschen Arbeiterbewegung hervor und hatte zum Ziel, die Einkommensschwachen am kulturellen Leben teilhaben zu lassen unter dem Motto: „Die Kunst dem Volke!“ Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war er einer der ganz wenigen, die sich nicht vom Hurra-Patriotismus anstecken ließen. Er sprach sich klar gegen die militärische Auseinandersetzung aus, wodurch er sich zeitweise sogar mit Weggefährten wie dem Schriftsteller Fritz Mauthner entzweite.

Landauer bezeichnete Anarchismus als „Ordnung ohne Herrschaft“. Aber er setzte sich betont von den gewalttätigen Anarchisten ab, die mit Anschlägen gegen das herrschende System vorgingen: „Ein Ziel lässt sich nur erreichen, wenn das Mittel schon in der Farbe dieses Zieles gefärbt ist. Nie kommt man durch Gewalt zur Gewaltlosigkeit.“

Als in den politischen Wirren der Nachkriegszeit in München die Räterepublik ausgerufen wurde, ging Landauer als Beauftragter für Volksaufklärung nach Bayern. Als erste Amtshandlung verfügte er die Abschaffung der Prügelstrafe an den Schulen. Obwohl er sein Abitur mit guten Noten absolviert hatte, betrachtete er die Schule als „einen ungeheuerlichen Diebstahl an meiner Zeit, meiner Freiheit, meinen Träumen und meinem auf eigenes Erforschen und Versuchen gerichteten Tatendrang.“ Nur eine Woche später wurde er, der Volksbeauftragte, von den Kommunisten aus dem Amt gedrängt, die ihrerseits von Regierungstruppen entmachtet wurden. Rechte Freikorps nahmen Landauer am 1. Mai 1919 fest und töteten den 49-Jährigen am nächsten Tag mit erschreckender Brutalität, was einem der Täter fünf Wochen Gefängnis und einem anderen 500 Mark Strafe einbrachte.

Der Schriftsteller Erich Mühsam beschreibt Landauer als „milde und von gütiger Heiterkeit im täglichen Umgang, aber unduldsam, hart und eigenwillig bis zum Hochmut überall, wo es um Entscheidendes ging“. Bei der Gedächtnisfeier zum ersten Todestag in München trug Mühsam sein Gedicht für den Freund, Lehrer und Kampfgenossen vor, das die folgenden Zeilen enthielt:

„Doch mächtig scholl sein Ruf im Vorwärtsschreiten: Wer Glück und Freiheit will, muß sie e r s t r e i t e n.“

bod

Gedenktafel in der Schloßstraße 17 Foto: bod

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