Donnerstag, 01. Dezember 2022
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Energiesparen? Leider Fehlanzeige!

Energiesparen? Leider Fehlanzeige!
Sie haben zweifellos ihren Charme, aber müssen Gaslaternen tatsächlich rund um die Uhr brennen? Foto: fle

Bezirk/Berlin – Es steht in den Zeitungen, es wird im Radio und im Fernsehen erzählt – wir sollen Energie sparen. Und es könnte sogar sein, dass wir im Winter einen Pulli und ein paar weitere Socken drüberziehen müssen, um nicht zu frieren. Denn Gas ist knapp. Aber natürlich sollen wir Bürger dafür Verständnis haben. Doch einige Reinckendorfer haben kein Verständnis dafür, dass Gaslaternen Tag und Nacht dauerleuchten. Sonne und Gaslaternen scheinen quasi gemeinsam um die Wette.

So erklärte ein Anwohner der Cyklopstraße, dass die Gaslaternen die ganze Zeit brennen. Auch in der Räuschstraße sind seit Wochen die Laternen auf Dauerbetrieb gestellt.

Doch warum ist das so? Constanze Siedenburg von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, erklärt: „Das Land Berlin betreibt derzeit noch 23.000 Gasleuchten. Bei etwa 1.400 Gasleuchten ist aktuell der Schaltmechanismus nicht in Betrieb.“ Bei Wartungsarbeiten seien Fehler wie etwa Undichtigkeiten in den jeweiligen Laternen festgestellt worden. Um die Zeit bis zur Montage einer instandgesetzten Leuchte zu überbrücken, werde der Schaltmechanismus, also das automatische An- und Ausschalten je nach Tageszeit, außer Betrieb genommen. Nur so könne die gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung der Straße nach dem Berliner Straßengesetz in den Nachtstunden sichergestellt werden.

Die Reparatur der Vielzahl defekter Leuchten ist langwierig, die Werkstattkapazitäten sind für diese veraltete Technik begrenzt, die Materialbeschaffung ist seit Jahren schwierig. Die Instandsetzung aller derzeit dauerbrennenden Leuchten wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Priorität haben Standorte mit fehlenden und nicht in Betrieb befindlichen Gasleuchten, um an den Standorten schnellstmöglich der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.

Im Bezirk Reinickendorf von Berlin gibt es aktuell 3.500 Gasleuchten. Es ist geplant, 650 davon bis Sommer 2023 auf LED-Betrieb umzurüsten.

„Die Umrüstung von Gaslaternen, von denen wie beschrieben noch rund 23.000 – von rund 215.000 Lichtpunkten mit 225.000 Leuchten insgesamt – von einst 40.000 in Betrieb sind, läuft kontinuierlich weiter“, sagt Siedenburg. Derzeit werden etwa 2.000 pro Jahr für 6.000 – 10.000 Euro je Standort auf LED umgerüstet. Im aktuellen Doppelhaushalt 2022/23 stehen rund 12 Millionen Euro für die Umrüstung der Gasleuchten zur Verfügung.

Grundsätzlich ist die Umrüstung die einzige realistische Möglichkeit, um langfristig in acht bis zehn Jahren den Gas- und Energieverbrauch bei den Straßenlaternen zu senken. fle

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf