Montag, 04. Juli 2022
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Kleingärten statt Squashcenter?

Kleingärten statt Squashcenter?
Hartmut Schlehuber Foto: bek

Märkisches Viertel – Die Stimmung am Squash Tennis Nord an der Treuenbrietzender Straße 36 ist gedrückt. Dort, wo bereits die Boateng-Brüder gekickt haben, wo im Winter bis zu 7.000 Sportler im Monat regelmäßig kicken und Bälle über Netze schlagen, sollen bald die Abrissbagger anrücken. Der Grund: Die GESOBAU will auf dem Areal Ausgleichsflächen für 25 Kleingärten schaffen, die anderswo dem Wohnungsbau weichen mussten.

„Das darf nicht geschehen“, sagt Hartmut Schlehuber empört. Er ist seit einem Vierteljahrhundert Eigentümer der Sportanlage, in der Fußball, Squash und Tennis gespielt wird. Das Center gehört zu seinem Leben wie er zum Center. „1978 wurden die acht Squashcourts und vier Tennisplätze sowie drei freie Plätze gebaut, und 1979 wurde alles eröffnet“, erinnert er sich. 1995 hat er das Sportcenter erworben und ein Jahr später eine weitere Halle gebaut. So ist die ehemalige Tennishalle zur Fußballhalle geworden.

Rund 90.000 Besucher nutzen Jahr für Jahr die großen Hallen, neben Freizeit-Sportlern sind auch die Waldorfschule und Vereine regelmäßige Nutzer der Flächen. Es ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt, Kinder verbringen hier ihre Nachmittage, Senioren halten sich fit. Doch das Grundstück gehört der GESOBAU, und die Pacht lief zum 30. April aus. „Nun erfolgt die kalte Enteignung“, sagt der 79-jährige Schlehuber. „Der Bezirk hat dabei wenig Einfluss, nur der Senat könnte etwas tun – doch der steht auf der Seite der GESOBAU.“

Das Unternehmen will seine Entscheidung nicht rückgängig machen. „Wir stehen seit vielen Jahren regelmäßig im Kontakt zum Betreiber“, erklärt Birte Jessen, Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing. „Auf seinen Wunsch haben wir den Erbbaupachtvertrag in den Jahren 2017 und 2019 bereits verlängert. Bei der zweiten Vertragsverlängerung bis zum 30. April 2022 wiesen wir ausdrücklich darauf hin, dass zum 1. Mai 2022 die Übergabe des Grundstückes nunmehr abzusichern ist.“

Dabei habe es sich das Unternehmen mit der Eintscheidung, wie sie das Grundstück in der Zukunft nutzen möchte, nicht leicht gemacht. „Als städtisches Wohnungsbauunternehmen sehen wir den Wohnungsneubau jedoch als dringlichstes Thema. Mit dem Abriss der Sportstätte können hier andere Nutzungen/Ausgleichsflächen entstehen, die es wiederum möglich machen, ergänzenden Wohnungsneubau mit 250 bis 500 Einheiten an anderen Stellen im Märkischen Viertel umzusetzen.“

Aus Sicht der GESOBAU gibt es im Märkischen Viertel und im gesamten Stadtbezirk ausreichend alternative Sport-Möglichkeiten. So auch, um Squash, Tennis, Tischtennis und Hallenfußball zu spielen. Sie steht auch mit ansässigen Vereinen (TSV Wittenau, Baseball Flamingos und MSV Normannia) im Austausch und ist Kooperationspartnerin. „Auf Nachfrage beim vergleichbaren Sportcenter Wittenau wurde uns mitgeteilt, dass dort noch Kontingente für eine größere Anzahl von Neukunden zur Verfügung stehen“, sagt Jessen.

Es ist geplant, das Grundstück zum Teil als Ausgleichsfläche für den Bau von Wohnraum an anderer Stelle im MV zu nutzen. In diesem Zusammenhang wird ein Teil des Grundstücks für „Laubenparzellen“ genutzt. Diese Entscheidung können die Betreiber und auch die Sportler nicht nachvollziehen. „Es ist eine Frechheit den Menschen gegenüber, und es ist mein Lebenswerk“, sagt Schlehuber.

Das will er nicht kampflos aufgeben und hofft auf Aufschub bis August 2023. Bis dahin möchte er das Center in eine gemeinnützige Anlage umwandeln. Auf Facebook hat er eine Petition ins Leben gerufen: Gegen den Abriss der Sportstätte im Märkischen Viertel braucht er jede Stimme.fle

Hier haben schon die Boateng-Brüder gekickt. Foto: fle

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