Montag, 04. Juli 2022
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Die Küche bleibt weiter kalt

Die Küche bleibt weiter kalt
Das ehemalige Restaurant Toulouse du Lac bietet einen trostlosen Anblick. Foto: fle

Tegel – Es galt als eines der besten Restaurants in Reinickendorf. Qualitativ hochwertige Küche und ein exklusives Ambiente in einer ausgefallenen Lage. Selbst Altbundeskanzler Helmut Kohl war so begeistert, dass man ihn beinahe jeden Dienstag auf der Terrasse antreffen konnte, wenn er am Abend hierher zum Essen kam. Die Rede ist vom Restaurant Toulouse du Lac.

Bereits 2013 hatte das Grundstück zwischen Tegeler Forst und Tegeler See bei der dritten Zwangsversteigerung den Besitzer gewechselt. Doch nun liegt das einst beliebte Restaurant in einem Dornröschenschlaf. Im Juli 2018 fanden noch Bauarbeiten statt – angeblich zur Realisierung eines asiatischen Restaurants. Doch seitdem geschieht im ehemaligen Luxusrestaurant nichts mehr, und die Baustelle verwahrlost zusehends.

Die RAZ fragte beim Bezirksamt nach und erhielt Antwort von der zuständigen Stadträtin Korinna Stephan, Abteilung Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr: „Der Pächter des Grundstücks hat im Jahr 2019 das Einvernehmen mit den Fachbereichen Stadtplanung und der Bauaufsicht des Bezirks für eine geplante Wiederinbetriebnahme des Gastronomiebetriebes im vorhandenen Restaurantgebäude hergestellt“, erklärt sie. Da es sich hierbei nicht um eine neue Nutzung für das 1984 genehmigte Gebäude, sondern um eine Reaktivierung des Gastronomiebetriebs in dem vorhandenen Bestandsgebäude handelt, wurde der Vorgang auf Grundlage der geltenden Bauordnung für Berlin als verfahrensfrei beurteilt, so dass keine Baugenehmigung erteilt werden musste.

Auch verfahrensfreie Vorhaben müssen jedoch allen sonstigen öffentlich-rechtlichen Anforderungen entsprechen. Dazu gehört auch – da das Grundstück im Wasserschutzgebiet in der Wasserschutzzone II liegt, eine gültige wasserbehördliche Befreiung und Genehmigung durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. „Diese hatte der Pächter auf Antrag 2019 auch erhalten. Eine Kopie dieser Genehmigung liegt dem Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht vor“, erklärt Stephan. „Die Gültigkeit dieser Genehmigung ist mittlerweile jedoch wieder erloschen, da mit dem geplanten Umbau im Gebäude und der Anlegung einer neuen Terrassenanlage offenbar nicht rechtzeitig begonnen wurde. Soweit hier bekannt ist, stand der Pächter auch wegen der geplanten Anlage neuer Parkplätze für seine Gastronomie im Gespräch mit der Senatsverwaltung. Ob der Pächter erneut eine wasserbehördliche Befreiung und Genehmigung als Voraussetzung für seine geplanten Baumaßnahmen beantragt hat, ist der Bauaufsicht nicht bekannt. Die Senatsverwaltung hat bis dato keine wasserbehördliche Befreiung und Genehmigung in Kopie zur Kenntnisnahme an die Bauaufsicht weitergeleitet.“

Somit bleibt weiterhin die Küche kalt, die Terrasse unangetastet und der Blick in die Zukunft ungewiss.

fle

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