Sonntag, 29. Januar 2023
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„Mein Zuhause, mein Block“

„Mein Zuhause, mein Block“
Hochhäuser prägen das Bild des in den 1960er Jahren errichteten Märkischen Viertels. Foto: bod

Märkisches Viertel – Eine Paul-Würdig-Straße im Märkischen Viertel kann sich der Rapper Sido nach seinem Tod gut vorstellen. Das erzählt er zumindest leicht ironisch in einer Sendung des Komikers Kurt Krömer und erklärt, dass er dafür seinen bürgerlichen Namen vorziehen würde. Ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass der Stadtteil den Musiker einmal ehren wird. Schließlich hat der Sänger mit „Mein Block“ eine Art Hymne auf das Märkische Viertel geschrieben, auch wenn die nicht unbedingt den Geschmack aller Bewohnerinnen und Bewohner findet.

Der Song, den viele Erwachsene damals wegen seiner rüden Sprache pubertär fanden, wird in diesem Jahr volljährig. Am 4. April 2004 erschien „Mein Block“ offiziell als Single, nachdem im Jahr davor schon ein Remix davon auf einem Sampler des Hip-Hop-Journals JUICE zu finden war.

In der Top-100 der Singlecharts war der Song 19 Wochen lang vertreten und brachte es bis auf Platz 13. Das war nicht nur Sidos großer Durchbruch, sondern auch ein Riesenerfolg für die Plattenfirma Aggro: „Maske“ war das erste Album des 2001 gegründeten Independent Labels, das eine Goldene Schallplatte bekam – also über 100.000 Stück verkaufte. Mit „Ich und meine Maske“ gelangte Sido vier Jahre später sogar auf Platz 1 der Album-Charts. Seine Kurzsichtigkeit war übrigens mit ein Grund, warum er später nicht mehr mit der verchromten Totenkopfmaske auftrat, obwohl sie zu seinem Markenzeichen geworden war: „Unter diese Maske passte keine Brille. Ich war also immer, wenn ich sie trug, halb blind.“

Der Sänger kam 1980 in Ostberlin zur Welt. Ein Jahr vor der Wende wurde dem Ausreiseantrag seiner alleinerziehenden Mutter stattgegeben, die daraufhin mit ihm und seiner Schwester die DDR verließ. Nach einem kurzen Aufenthalt in einer Weddinger Notunterkunft ging es zunächst nach Lübeck. Nur ein knappes Jahr später zog die Familie schließlich ins Märkische Viertel, wo Sido die Bettina-von-Arnim-Oberschule besuchte.

Back to the roots – zurück zu den Wurzeln ging es 2010, als Sido im Fontane-Haus in seinem alten Kiez ein MTV-Unplugged-Konzert gab. Auch Kurt Krömer und Stephan Remmler (der von Trio mit „Da Da Da“) waren bei der Aufzeichnung mit von der Partie. Seine Popularität nutzte der Rapper unter anderem für die Kampagne „Sido geht wählen“ zu den Bundestagswahlen 2009, in der er die verschiedenen Parteien vorstellte und dazu aufrief, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Sendung zu der Aktion war sogar für den Grimme-Preis nominiert.

Neben vielen anderen Auszeichnungen gewann Sido im Laufe seiner Karriere zweimal den Echo und dreimal den Bravo-Otto, über den die Leserinnen und Leser der gleichnamigen Jugendzeitschrift abstimmen. Seine Fans würden bestimmt auch eine Straßenbenennung nach dem Musiker befürworten, was aber laut Vorschrift frühestens fünf Jahre nach seinem Tod geschehen darf.bod

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