Dienstag, 29. November 2022
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Reinickendorf macht dem Euro Druck

Reinickendorf macht dem Euro Druck
Die Staatliche Münze Berlin zog im Jahr 2005 an die Ollenhauerstraße. Foto: Wikipedia/Assenmacher

Der Buchstabe A auf deutschen Euromünzen verrät ihren „Geburtsort“ Reinickendorf: Seit dem Umzug der Prägeanstalt „Staatliche Münze Berlin“ im Jahr 2005 von Mitte in die Ollenhauerstraße werden 20 Prozent des inländischen Hartgeldes dort produziert.

Schon 1750 unter Friedrich II. wurde das A zum Zeichen für den Berliner Standort. In ihrer langen Geschichte hat die Staatliche Münze inzwischen schon einige Umzüge und Währungsreformen mitgemacht. Besonderes Vertrauen in der Bevölkerung gewann die D-Mark über die Jahre, bevor sie am 1. Januar 2002 dem Euro weichen musste. Der Start ihrer Erfolgsgeschichte war allerdings wegen gegensätzlicher Interessen der Besatzungsmächte alles andere als einfach. In den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg kostete ein Paar Herrensocken auf dem Schwarzmarkt 80 Reichsmark und für ein Pfund Kaffee wurden gar bis 1.000 Mark fällig. Das Angebot war niedrig und die Nachfrage hoch. Eine neue Währung sollte die Situation im Nachkriegsdeutschland stabilisieren und den Tauschhandel unterbinden. Auf eine Einheitswährung konnten sich die vier Siegermächte in langwieriger Verhandlungen nicht einigen. Ein besonderes Problem stellte das geteilte Berlin dar. Zeitweise war die „Bärenmark“ im Gespräch, eine Sonderwährung für die gesamte Stadt, die besonders von der SPD unter Leitung von Bürgermeisterin Louise Schroeder favorisiert wurde. Aber auch dieser Vorschlag scheiterte. Deshalb entschlossen sich die West-Alliierten zum Alleingang. Die ersten DM-Scheine wurden heimlich in New York und Washington gedruckt und unter dem Decknamen „Operation Bird Dog“ per Schiff nach Deutschland verfrachtet – 23.000 Holzkisten mit 500 Tonnen Bargeld.

Am 20. Juni 1948, einem Sonntag, wurde im Westen Deutschlands mit dem Umtausch begonnen: Anfangs konnten nur 60 Reichsmark eins zu eins gewechselt werden. 40 D-Mark gab es gleich in bar, der Restbetrag kam auf ein Konto, über das erst einen Monat später verfügt werden konnte. Darüber hinaus gehendes Vermögen schrumpfte auf ein Fünfzehntel. Im Westteil Berlins begann die Auszahlung drei Tage später. Einhellig berichten Zeitzeugen, dass sich die Schaufenster buchstäblich über Nacht füllten. Offenbar war viel Ware gehortet worden. Die alten Münzen waren mit einem Zehntel ihres ursprünglichen Werts noch eine Weile in Umlauf, bis die neuen geprägt wurden. Die Inschrift „Bank deutscher Länder“ wurde nach 1950 durch „Bundesrepublik Deutschland“ ersetzt.

Bevor das Museum der Staatlichen Münze in der Ollenhauerstraße im Jahr 2017 seine Pforten schloss, konnten dort einige Exemplare der historischen Geldstücke bestaunt werden. Aber auch in vielen Haushalten findet sich die alte Währung noch bis heute. Eine Summe von über zwölf Milliarden D-Mark soll noch ungenutzt in irgendwelchen Schubladen oder Sparschweinen schlummern, mehr als die Hälfte davon in Münzen. bod

Ein Steinmetz aus Pankow trauert der D-Mark ganz besonders hinterher. Foto: bod

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