Freitag, 30. September 2022
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Grußformel sorgt für Optimismus

Grußformel sorgt für Optimismus
Markus Nisch, Leiter des Impfzentrums Tegel, Foto: bs

Im Eingangsbereich zu den Impfkabinen steht ein weißer Plastikschalenstuhl. Er ist leer. Normalerweise sitzt hier José João Eduardo und begrüßt die zu Impfenden mit seinem mittlerweile viel zitierten Satz: „Willkommen im Paradies.“

Diese Worte seien ihm ganz spontan eingefallen, als er einer älteren Dame geholfen habe. Diese war so begeistert, dass er seitdem alle Wartenden im Impfzentrum Tegel so empfing. Doch Eduardo ist erkrankt und wird die nächsten Wochen auch nicht zum Dienst erscheinen können. Markus Nisch, Leiter des Impfzentrums Tegel, ist sich sicher, dass Eduardo in nicht allzu ferner Zukunft mit seiner paradiesischen Grußformel wieder für Optimismus sorgen wird.

Auch die anderen Mitarbeiter strahlen Hilfsbereitschaft und Zuversicht aus. In den Kommentarspalten der Website des Impfzentrums überschlagen sich die Danksagungen. Es ist von einem „extrem freundlichen Personal“ und von einer „wunderbaren Erfahrung“ die Rede. „Ein dickes Lob an alle tätigen Menschen vor Ort“ und: „Es war genial. Vollprofessionelle und schnelle und superfreundliche Leute“. Viel mehr geht nicht.

Woher kommen diese freundlichen Menschen? Markus Nisch (Foto) ist der Chef von den etwa 500 Mitarbeitern, die im ehemaligen Flughafen im 7-Tage Betrieb impfen. Er hat seine eigene Erklärung für die gute Stimmung in seinem Betrieb.

Etwa 70 Prozent seiner Teammitglieder seien aus der von der Pandemie gebeutelten Kultur- und Veranstaltungsbranche zu ihm gekommen. Diese Menschen seien den sozialen Umgang gewohnt und ihr Beruf sei es, den Menschen Freude zu bereiten. Sie legten zudem eine hohe Professionalität an den Tag, wenn es darum gehe, ein Projekt ins Laufen und zu Ende zu bringen. Sie seien es gewohnt „fertig zu werden“ und die „Türen aufzumachen, wenn sie aufgemacht werden müssen“. Als Beispiel zeigt er stolz die Garderobe. Sie sieht aus wie in einem Club. Offene Ständer, davor erfahrene Mitarbeiter aus der Veranstaltungsszene, die alles organisieren und bewachen: „Da fehlt nichts und nichts bleibt liegen.“

Auch er habe als „Booker“ in der Konzert- und Veranstaltungsbranche gearbeitet. Das alles war dahin, als Corona ausbrach. Als das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Mitarbeiter für Impfzentren suchte, hat er sich mit vielen Kollegen beworben. Nebenbei erwähnte er, dass er Konzerte von DJ-Größen wie Paul Van Dyk und WestBam mit vielen tausend Gästen organisiert habe.

Das überzeugte das DRK, und er wurde gleich als Leiter des Impfzentrums in Treptow eingestellt. Als das Impfen dort beendet wurde, kam er in gleicher Funktion nach Tegel. Die Impfzentren hätten viele ehemalige Kollegen und Kolleginnen „finanziell gerettet“. Ein „Pool-Mitarbeiter“ bekomme „knapp 3.000 Euro brutto im Monat für eine 40-Stunden-Woche“ und sei dankbar für diesen Job.
Das Impfzentrum habe eine Impfkapazität von etwa 4.600 Impfungen pro Tag. Dazu kämen die Kinderimpfungen, insgesamt werde mehr als 5.000 mal pro Tag die Nadel gezückt. Nisch will noch unbedingt den Kinderimpfbereich zeigen.
Am Ende einfügen
Dort sitzen die Kinder an kleinen Tischen und malen während der Beobachtungszeit nach der Impfung Bilder. Viele tausende davon hängen rundherum an den Wänden. Das kugelrunde Virus mit seinen Stacheln ist oft zu sehen. Dazu Sätze wie „Es tut nur ein bisschen weh“, „Endlich geimpft“ und „Corona ist doof“.
Der Tag von Markus Nisch fängt morgens um 7.15 Uhr an. Um 7.30 Uhr ist das erste Meeting mit Ärzten und Mitarbeitern. Menschen aus mehr als 50 Nationen sind bei ihm im Team. Er hält viel von Diversität und kann schon einmal ungemütlich werden, wenn es um „rassistische und sexistische Verunglimpfungen“ geht. Dann greift die Security ein und führt die Schimpfenden zum Ausgang. Das seien „eher Einzelfälle, die wir uns aber nicht bieten lassen“. Er selbst wünscht sich nach der Pandemie sein früheres Leben in der Kulturbranche zurück. Endlich wieder „ohne Maske, den Menschen nah sein, sie wieder umarmen.“ bs

Foto: bs

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