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Montag, 17. Januar 2022
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Stürmisches Gedenken

Stürmisches Gedenken
Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen (l.) unterstützte die Aktion von Andreas Otto (r.). Fotos (2): bod

Bezirk – Die AIDS-Schleife aus roten Grablichtern in der Fußgängerzone Alt-Tegel erstrahlte nur kurz. Immer wieder blies starker Wind die Flammen aus. Eine heftige Böe warf sogar den kleinen Stand mit Informationsmaterial um, aber viele helfende Hände stellten ihn rasch wieder auf. Glücklicherweise blieb es trocken, so dass einige Passanten auch trotz der Kälte länger stehen blieben und mit dem engagierten Veranstalter-Team angeregt ins Gespräch kamen.

Auch die Politik zeigte sich solidarisch mit der Aktion zum Welt-AIDS-Tag, der jedes Jahr am ersten Dezember stattfindet: Die Bezirksvorsitzende Kai Bartosch von der Linkspartei half beim Entzünden der Kerzen, und später schaute der designierte SPD-Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen vorbei.

Andreas Otto vom Regenbogen Reinickendorf e.V. erklärte, mit den Lichtern solle der 3.000 in Berlin an AIDS Verstorbenen gedacht werden. Deutschlandweit gab es seit Entdeckung der Krankheit in den achtziger Jahre bisher rund 30.000 Tote. Neben dem Gedenken steht natürlich vor allem die Aufklärung über das Ansteckungsrisiko im Fokus. Seit der Covid-Pandemie nimmt die Zahl der durchgeführten HIV-Tests ab. Wer aber nichts von seiner Infektion weiß und ungeschützten Sex hat, trägt zur Ausbreitung des Virus bei. Zudem ist es wichtig, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. In Deutschland wird die Zahl derjenigen, die nichts von ihrer Infektion ahnen, auf etwa 10.000 geschätzt. Besonders stark steigt die Ansteckungsrate in Osteuropa. Entgegen der noch immer verbreiteten Ansicht, AIDS sei vor allem ein Problem homosexueller Männern, kann dieses Krankheit jede sexuell aktive Person treffen. 53 Prozent aller HIV-Infizierten weltweit sind Frauen und Mädchen.

Auch wenn sie bei früher Behandlung nicht mehr tödlich verläuft, ist eine HIV-Infektion immer noch eine schwere gesundheitliche Beeinträchtigung, vor der man sich aber mittlerweile gut schützen kann – nicht mehr allein durch Kondome, sondern auch durch das prophylaktisch wirkende Medikament PrEP. Zur Zeit testet der US-Pharmahersteller Moderna einen möglichen Impfstoff gegen HIV auf Grundlage der neuartigen mRNA-Technologie, die schon gegen Corona zum Einsatz kommt.

Boris Dammer

Aus roten Grablichtern wurde eine AIDS-Schleife geformt.

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