Sonntag, 14. August 2022
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Vorhang auf – für offene Theater

Vorhang auf – für offene Theater
Tomislav Bucec (l.) und Oliver Tautorat bei der Premiere „Lauf die Prenzlwichser kommen“ im Jahr 2020 im Prime Time Theater. Foto: Janina Heppner

Bezirk/Wedding – Im Sommer 2019 hat RAZ Verleger Tomislav Bucec das Prime Time Theater im Wedding im tatsächlich allerletzten Moment vor der Insolvenz gerettet. Anschließend wertete er nicht nur die Räumlichkeiten unter anderem mit dem Einzug des RAZ Cafés im Foyer auf, sondern optimierte auch Strukturen. Kaum war das Ganze auf Kurs, kam Corona und mit dem Virus schließlich der Kultur-Lockdown. Mit dem 12. November und der Premiere des aktuellen Stücks „Das Wunder vom Späti“ ist die über einjährige Pause an der Müllerstraße zu Ende gegangen.

Herr Bucec, wie haben Sie die Wiedereröffnung erlebt?

Es war ein großartiges Gefühl endlich wieder Menschen im Saal zu sehen. Man konnte allen Gästen ansehen, wie sehr auch sie das Theater vermisst haben und sich jetzt aufs „Vorhang-auf“ freuten, wie sehr sie dann auch bei der Aufführung mitgingen. Ich selbst bin ja ein Prime-Time-Fan der ersten Stunde, und als solchem ging es mir ganz genauso.

Sie sind aber nicht nur Fan, sondern als Geschäftsführer der RAZ Kultur gGmbH auch Betreiber. Das RAZ Café gehört außerdem zur RAZ Unternehmensgruppe.

Genau, ich kann nicht umhin auch die wirtschaftliche Seite zu betrachten, und natürlich ist es an der Stelle auch ein Meilenstein und mehr als nur ein Hoffnungsstreif, wieder spielen zu können. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich vor allem die (zwischen-)menschlichen Aspekte sehe. Und da waren diese glänzenden Augen der Gastro-Teammitglieder, wie sie da endlich wieder Bier zapften oder Popcorn über den Tresen reichten und an den Tischen servierten. Dasselbe Leuchten beim Ensemble, Technik, Regie, Kostüm und Maske … Es war eine ganz besondere Atmosphäre, das ging richtig unter die Haut.

Nun gehen die Pandemie-Zahlen wieder hoch. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Tja, man hat in den letzten Monaten seit Corona-Beginn gelernt, dass man nicht wirklich weit nach vorn schauen kann. Wie Politik und Verwaltung reagieren, ist ja mitunter schwer vorherzusagen. Derzeit arrangieren wir uns neu mit „2G-plus“-Regelung. Aber was für mich viel schwerer wiegt: Offenbar habe ich mich in manchen Mitmenschen geirrt. Ich hätte nie gedacht, dass so viele beim Thema Impfen zögern oder sich verweigern.

Können Sie die Zurückhaltung denn verstehen?

Nein. Für mich ist das eine eindeutige Sache. Wir können uns und andere schützen und haben es selbst in der Hand, unser öffentliches Leben wieder in Gang zu bringen. Statt aber einfach mal mit Weitblick, Mut, Vernunft und Nächstenliebe zu handeln, sorgen die Maßnahmen-Gegner für grauenvolle Verhältnisse in Krankenhäusern und schaden – um wieder ins Theater zurückzukommen – natürlich auch kleinen Unternehmen wie unserem und der Kultur als Ganzem. Ich möchte daher alle von ganzem Herzen noch mal bitten: Informieren Sie sich bei soliden Quellen über die wirklichen Risiken dieser Zeiten und lassen Sie sich impfen. Bitte lassen sie die leuchtenden Augen nicht wieder erlöschen. Helfen Sie, die Kultur zu retten!

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Inka Thaysen

Gespräche im Foyer nach der Premiere des Stückes „Das Wunder vom Späti“ im November diesen Jahres. Foto: Fabio Moschetto

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