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Montag, 17. Januar 2022
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Gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen
Vor dem Haus Egidystraße 51 wurde ein Stolperstein verlegt. Anwesend waren auch Torsten Hauschild und Carolin Mueller von der AG Stolpersteine Reinickendorf sowie Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen (M.) Fotos (2): ks

Tegel – Es waren bewegende Momente am 11. November in der Egidystraße. Rund 50 Teilnehmer versammelten sich hier in den Abendstunden zum feierlichen Gedenken. Vor der Hausnummer 51 wurde ein Stolperstein zu Ehren von Selma Kirschner eingeweiht.

Sie lebte hier in Zeiten des Nationalsozialismus. Mit gerade einmal 18 Jahren wurde die Jüdin in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, wenig später nach Auschwitz verlegt. Dort starb sie am 1. November 1942. Offizielle Todesursache war Herz-Kreislauf-Versagen. Kirschner, die zunächst in einer Gaststätte am Tegeler Schloss und später in der Kantine bei Rheinmetall Borsig arbeitete, hinterließ eine Tochter die erst im Jahr 1997 durch den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen vom schweren Schicksal erfuhr. Es fand sich dort eine Postkarte mit dem Vermerk „Selma Sarah Kirschner, Nr. 9049/7857“. Tochter und Enkelin waren Ehrengäste bei der Stolpersteinverlegung, direkt vor ihrer Haustür.

Die Initiative ging einmal mehr von der Reinickendorfer AG Stolpersteine und seinem seit nunmehr 16 Jahren aktiven Vorstandsmitglied Torsten Hauschild aus. Unterstützung kam von seiner Kollegin Carolin Mueller, die vor Ort die Gedenkrede hielt. Auch der designierte Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen ließ sich die Ehrenbezeugung nicht nehmen. „Wir haben ein gemeinsamen Anliegen gegen das Vergessen“, so der SPD-Politiker in seiner kurzen, aber prägnanten Ansprache. Es mache zutiefst betroffen, was auch hier in Reinickendorf passiert sei, befand Brockhausen.

Einen weiteren Stolperstein erhielt einen Tag zuvor die 1905 in Kattowitz geborene Physikerin Berta Jacoby aus dem Engelmannweg 86. Sie musste im Februar 1942 in der Gaskammer von Bernburg ihr Leben lassen. Ihre Asche wurde von den Angehörigen auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee bestattet. Ebenfalls in Gedanken und Gedenken soll der Berliner Konstrukteur und Ingenieur Wilhelm Scheller bleiben. Zudem aktives KPD-Mitglied, gehörte er zu den Letzten, die in Plötzensee hingerichtet wurden. Dies geschah am 18. April 1945, sieben Tage vor Befreiung der Haftanstalt. Er war, aus der Sowjetunion kommend, bei seiner Schwiegermutter im Eichborndamm 22 untergetaucht, wurde jedoch denunziert. Er kam nicht über sein 52. Lebensjahr hinaus. ks

Stolperstein für Selma Kirschner

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