Sonntag, 14. August 2022
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Sträucher für die Bäume

Sträucher für die Bäume
Forstwirte Steven Fischer (2.v.r.) und Felix Helbing (r.) erklären den Freiwilligen, worauf sie beim Pflanzen der Sträucher achten müssen.

Heiligensee – Bunte Tupfer im Grün: Das Türkis der Jacke einer Frau, die gerade einen Sanddorn pflanzte, die bunte Mütze des dreijährigen Jonathan, der voll motiviert die Erde des Waldbodens festtrat sowie das rot-schwarz-karierte Hemd von Forstwirt Felix Helbig, als er den Spaten in die Erde stach. Am 20. November veranstalteten die Berliner Forsten in der Revierförsterei Tegelsee eine Pflanzaktion, an der sich rund 25 interessierte Bürgerinnen und Bürger beteiligten. Sie alle waren im Vorfeld dazu eingeladen worden, die Windwurffläche an der Heiligenseestraße unweit des Elchdammes aufzuforsten.

Im Oktober 2017 hat der Sturm Xavier auf der Waldfläche entlang der Heiligenseestraße unweit des Elchdammes einen großen Teil der Bäume umgeworfen. Die extrem heißen Sommer und die damit einhergehende Trockenheit haben auch den standhaften Bäumen zugesetzt, sodass Frank Mosch, Revierförster der Försterei Tegelsee, im vergangenen Herbst 30 rund 160 Jahre alte Buchen fällen musste (wir berichteten). Das geschah vor allem deshalb, um die Sicherheit von Waldbesuchenden sicherzustellen.

„Daraus ergibt sich allerdings nun die Möglichkeit, an dieser Stelle aktiv die Biodiversität zu erhöhen und Naturschutz zu betreiben und einen naturnahen Waldrand mit natürlichen Waldgesellschaften zu gestalten“, erklärt David Wiemer. Der Student, der seit 1. September im Zuge des Studiums ein Praktikum in der Revierförsterei Tegelsee absolviert, weiß, wovon er spricht: „Normalerweise fängt ein Wald nicht mit 30 Meter hohen Bäumen an, sondern ein natürlicher Waldrand ist stufig aufgebaut“, erklärt er. Ein Wald breite sich eben von innen nach außen aus – deshalb finden sich an einem Waldrand immer junge nicht allzu hohe Bäume und Sträucher. „Genau das wollen wir hier erreichen und die Gefahr, die von kräftigen Winden ausgeht, zu verringern.“ Der Wind werde bereits durch Büsche und kleine Bäume abgeschwächt, könne dann nicht mehr mit voller Wucht auf die hohe Wand aus hohen Bäumen treffen. Zugleich fördere ein naturnaher Waldrand die Arten- und Strukturvielfalt. „Wir schaffen wir mit einem Mix aus Sträuchern, die hier heimisch sind, ein wertvolles Habitat und fördern die Biodiversität“, fügt er hinzu.

Die Forstwirte Felix Helbing und Steven Fischer zeigen, wie Schlehe, Sanddorn, Wolliger Schneeball, Pfaffenhütchen, Roter Hartriegel und Heckenkirsche in einem Abstand von dreieinhalb Metern in die Erde gepflanzt werden. Nachdem sie Arbeitshandschuhe von den Forstamtsmitarbeitern erhalten haben, machen sich die freiwilligen Helferinnen und Helfer ans Werk. So zum Beispiel Rainer Rädlein und Dr. Rainer Gentzsch. Sie sind Mitglied im Verein Waldfreunde Tegelsee e. V., der diese Pflanzaktion mit organisiert hat. Aber auch eine Familie aus Rosenthal ist am Start. Sogar ein Pfarrer buddelte fleißig in der Erde: „Die Kirchengemeinde Alt-Heiligensee und das Forst­amt haben einen engen Kontakt, auch aufgrund der Waldgottesdienste“, erklärt Michael Glatter, Pfarrer der Kirchengemeinde Alt-Heiligensee, „zudem ist es wichtig, etwas für unsere Umwelt zu tun“, fügt er hinzu. Er hat einen motivierten Helfer an seiner Seite: den dreijährigen Jonathan Rochlitz, der fleißig mithilft. Am Ende werden die jungen Triebe der Sträucher noch mit einer Farbe eingesprüht, um den Verbiss von Reh- und Damwild zu minimieren. „Die Aktion ist wirklich ein Erfolg“, sagt Praktikant Wiemer. „Wer hier hilft, Bäume zu pflanzen, wird achtsam mit der Natur umgehen. Und die Kinder sind besondere Multiplikatoren und werden von der Aktion in der Kita oder Schule erzählen“, schließt er ab. fle

Pfarrer Michael Glatter hat tatkräftige Unterstützung von Jonathan Rochlitz. Fotos (2): fle

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