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Donnerstag, 09. Dezember 2021
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Mädels, wir sind dann mal weg

Mädels, wir sind dann mal weg
Alle wieder da, kurz bevor es für Wasserbüffel-Damen in das Winterquartier in der Döberitzer Heide ging. Fotos(3): kbm

Hermsdorf – Vom Südfenster meiner Wohnung im Naturschutzgebiet beobachte ich täglich meine Haustiere Julia, Jane, Jasmin, Jessica, Jeanette und Josephine. Sie sind genügsam, pflegeleicht, ernähren sich vom Tegeler Fließ, indem sie im langsamen Fortbewegen die Fließwiesen abfressen und wiederkäuen.

Seit Jahren bringt Bauer Querhammer aus Potsdam Wasserbüffel, die bis zu 800 Kilogramm schwer werden können, nach Hermsdorf. Die Wiesen sind mit einem inneren Elektrozaun sowie mit einem äußeren Besucherzaun vom Wanderweg getrennt. Betreuung und Pflege wird von der EU sowie der Senatsverwaltung für Umweltschutz und Landwirtschaft finanziert, die Tiere sind eine Touristenattraktion. Nachdem in den ersten Jahren Streitigkeiten bei geschlechtergemischten Gruppen auftraten, werden seit einiger Zeit nur noch weibliche Tiere gebracht. Im letzten Jahr waren sogar zwei trächtige Tiere dabei, die innerhalb von zwei Tagen bei uns ihre Jungen zur Welt brachten.

Es kommen immer zwei Gruppen für die Weiden 1 und 2, getrennt von der Egidybrücke. Bei unserer Gruppe ist Julia das Alphatier, das die anderen kommandiert. Seit der Zeitumstellung war der Rhythmus durcheinander. Als die Wiese völlig leergefressen war und die Mädels-WG auch außerhalb ihrer normalen Fresszeit den ganzen Tag nur noch futtersuchend herumirrte, fütterte ich jeden Morgen Mohrrüben; am Tag vor dem Starkregen am 4. November noch zur Freude einer Kita-Gruppe, die großen Spaß daran hatte, selbst Mohrrüben über den Zaun zu werfen. Am Donnerstag fiel dann soviel Regen auf einmal wie sonst den ganzen Monat nicht. Die abgefressene große Wiese wurde überflutet und die Tiere mussten sich mühsam versteckte trockene Stellen zum Ruhen suchen.

Nach fünf Tagen waren sie ausgehungert und folgten Anführerin Julia, die eine Futtersuche außerhalb des Geheges vorschlug. Sie wusste von einem kleinen Ausbruch im letzten Jahr, dass es ringsherum Gärten mit den leckersten Pflanzen gibt. Seinerzeit war es aber tagsüber ein Garten ganz dicht neben der Hermsdorfer Jugendherberge.

Die Tiere büxten diesmal gen Mitternacht aus, um ungestört auf Nahrungssuche gehen zu können. Entweder folgten sie den heimischen Wildschweinspuren oder machten sich auf die Wanderschaft nach Spandau, wo der Besitzer der Tiere auch ein Weidegebiet betreibt. Bauer Querhammer staunte nicht schlecht, als die Polizei ihn nachts bat, die Tiere in Heiligensee abzuholen Um vier Uhr waren sie wieder zuhause, aber nicht für lange, denn um 10 Uhr kamen die Wagen, die sie für die Wintersaison abholten. Die Wintermonate verbringen sie jetzt wieder in ihrem Quartier in der Döberitzer Heide, wo sie alle gut angekommen sind.

Karin Brigitte Mademann

Wer will auf dieser überfluteten Wiese schon chillen? Unsere Büffel-Mädels jedenfalls nicht.

Die Chefin der Girlsgang: Julia

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