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Donnerstag, 09. Dezember 2021
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Gedrängt in innere Emigration

Gedrängt in innere Emigration
Straßenschild in Hermsdorf Fotos (3): Roland Lampe

Berlin/Frohnau – Am Ewigkeitssonntag, am 21. November um 14 Uhr, findet eine Andacht auf dem Friedhof in der Hainbuchenstraße vor der Kapelle statt. Feierlich wird den Verstorbenen gedacht. Auf dem Friedhof in der Hainbuchenstraße liegt auch die Grabstelle von Oskar Loerke.

Ein Feldstein ziert sie und gibt Auskunft über Geburts- und Todestag. Loerke wurde am 13. März 1884 in Jungen an der Weichsel im damaligen Westpreußen geboren. Er starb am 24. Februar 1941 in Frohnau. Bei seinem Grab handelt es sich um ein Ehrengrab.

Mitte des Jahres hatte der Berliner Senat sich dem Thema der Ehrengräber angenommen. Es wurde beschlossen, Gräber von zehn Persönlichkeiten zu Ehrengrabstätten zu erklären. Solche Gräber unterliegen nicht den normalen Ruhezeiten, sondern sie gehen darüber hinaus. Der Staat ehrt damit Menschen, die für ihre Tätigkeiten weit über ihre Lebenszeit hinaus Bedeutung und Wirkung haben.

Im Zuge dessen fiel auch die Entscheidung des Senats, die Anerkennung als Ehrengrab für sieben Persönlichkeiten nicht zu verlängern. Ein fortlebendes Andenken „sei nicht mehr erkennbar“. Unter diesen sieben Verstorbenen war auch Oskar Loerke.

Der Schriftsteller Lutz Seiler protestierte öffentlich in der Süddeutschen Zeitung gegen die Senatsentscheidung. Das deutsche PEN-Zentrum schloss sich im Juli dem Protest an und stellte klar, es lohne sich sehr wohl, das Andenken an Loerke wach zu halten.

„Mit der Machtergreifung der Nazis verlor er sofort seinen Posten als Sekretär der ‚Sektion für Dichtkunst‘ in der Preußischen Akademie. Um dem S. Fischer Verlag, bei dem er als Lektor arbeitete, zu helfen, unterzeichnete Oskar Loerke eine Loyalitätsadresse an Hitler, eine Handlung, die ihn krank gemacht hat, wie seine Tagebuchaufzeichnungen belegen. Von Schmach, Ekel und Verzweiflung über das Teuflische spricht er darin. Mit Abscheu hat er die Gleichschaltung kommentiert. In seiner Lyrik beschreibt er die Naziherrschaft mit drastischen Worten, die an Klarheit nichts zu wünschen übriglassen. Was innere Emigration wirklich bedeutet, kann man an seinem Beispiel ablesen. Dies ist eine Haltung, die in unserer Zeit und sicher auch darüber hinaus ganz sicher ein Andenken verdient,“ heißt es in der Erklärung des PEN-Zentrums. Der Senat überdachte seine Entscheidung und sicherte für das Grab des Dichters weitere 20 Jahre öffentliche Pflege zu.

Mehr zu Oskar Loerke und seiner Lyrik unter: www.gedichte-lyrik-online.de/ oskar-loerke.html

ajö

Loerkes Haus in der Kreuzritterstraße in Frohnau

Loerkes Grabstein auf dem Friedhof in der Hainbuchenstraße

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