Dienstag, 05. Juli 2022
Start Panorama „Aufhören war für uns keine Option!“

„Aufhören war für uns keine Option!“

„Aufhören war für uns keine Option!“
MOTAWI bowling, das sind Monika, Tanja (re.) und Willi Theissen Foto: hb

Märkisches Viertel – Tanja Theissen ist amtierende Europameisterin im Bowling – und Geschäftsführerin der Motawi bowling GmbH. Noch muss sie sich an den etwas sperrigen Namen gewöhnen, hieß ihr Unternehmen doch bis vor kurzen noch Bowlingcenter Schillerpark, einst Berlins größtes Bowlingcenter mit 46 Bahnen.

In ihrem Bowlingcenter befand sich der Landestrainingsstützpunkt für den Berlin Kader und die Nationalmannschaft. Hier wurden Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften sowie unzählige Turniere ausgetragen. Damit war allerdings im Januar Schluss, der Mietvertrag für die Räume im Schillerpark-Center wurde nicht verlängert. Der Investor hat neue Pläne für die Immobilie.

Und so haben Tanja und ihre Familie, die Angestellten und Freunde an die tausend Kisten gepackt, auf 17 Lkw verladen und eingelagert. „Wir waren anschließend erst einmal Bowling Obdachlos“, erinnert sich Tanja Theissen. „Jedoch nicht nur wir, sondern auch unzählige Vereine, der Landeskader, die Nationalspieler und die Betriebssportler.“

Zum Glück war die Familie hartnäckig und hatte einen langen Atem, „Aufhören war für uns keine Option.“ Nach sieben Monaten zäher Verhandlungen bekamen sie von der BIM, der Berliner Immobilien Management, den Zuschlag für ein ehemaliges Bowlingcenter im Märkischen Viertel am Zerpenschleuser Ring 37.

Im Zuge der Herrichtung hat die BIM das 4.705 Quadratmeter große Grundstück von illegal abgestellten Autos und Lkw sowie Sperrmüll und Graffitis befreit und das Gebäude instandgesetzt. Teilweise mussten die Außenfassade und das Dach saniert werden. Auch Fenster, Türen und die Haustechnik wurden überholt. „Die Vermietung einer Bowlingfläche zählt nicht gerade zu den alltäglichen Aufgaben der BIM. Es war uns aber von Beginn an wichtig, zeitnah einen Nachmieter zu finden und damit auch den Anwohnern im Kiez ein entsprechendes Freizeitangebot zurückzugeben“, erklärte Birgit Möhring, Geschäftsführerin der BIM.

Im Inneren legten Familie Theissen kräftig Hand an: Die gesamte Fläche wurde neu gestaltet, die komplette Bowlingtechnik aus dem Schillerpark eingebaut, neue Bowlingbahnen eingebaut, die Toiletten und der Fußboden erneuert, die Wände gestrichen, 3.000 neue Deckenplatten sowie eine neue Musik und Lichttechnik eingebaut. „Wir haben geschuftet wie die Wilden“, sagt Willi Theissen.

„Alle Investitionen haben wir getätigt, um auch in Zukunft Austragungsort der Deutschen Meisterschaften, Europameisterschaften und vielen weiteren Turnieren zu sein. Wir haben zwar ,nur‘ noch 18 Bowlingbahnen, doch auch diese machen es uns möglich, den Bowlingsport wieder aufleben zu lassen. Unsere Bowlingbahnen haben sogar schon eine offizielle Abnahme der Deutschen Bowling Union, die es uns ermöglicht, offiziell wieder Austragungsort für Wettkämpfe zu sein.“

Zukünftig werden rund 50 Vereine der Betriebssportliga hier trainieren, am Wochenende kommt der National- und Landeskader hinzu. Im nächsten Jahr möchte das Bowlingcenter zudem Veranstaltungsort der Deutschen Meisterschaft sowie einer Europameisterschaft sein.

Seit 8. Oktober rollen nun im neuen Motawi bowling die Kugeln und fallen die Pins. Bei der Eröffnungsfeier schob auch Patrick Weichert einige Bälle auf die Bahn. Der 17-Jährige hat bereits 23 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften errungen, bei Weltmeisterschaften eine Bronzemedaille und bei den Europameisterschaften zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Trainiert hat er dafür bei Familie Theissen – erst im Wedding und jetzt im Märkischen Viertel.hb

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