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Donnerstag, 21. Oktober 2021
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Schmetterlingsbusse zum Bad

Schmetterlingsbusse zum Bad
Die „Schmetterlingsfänger“ vor dem Eingang des Strandbades Foto: bs

Tegel – Mit einer Performance haben Schauspieler vom Strandburgtheater auf den Missstand aufmerksam gemacht, dass es noch immer keine regelmäßige Busverbindung zu dem in dieser Saison wiedereröffneten Strandbad Tegel gibt. Aus einem alten Doppeldeckerbus springen Schauspieler mit Schmetterlingsfängern und rennen vor dem Eingangstor des Strandbades aufgeregt hin und her. Das soll an die „Schmetterlingsbusse“ der 70er Jahre erinnern, mit denen Familien aus der Großstadt in die Natur fahren konnten, um in den grünen Randbezirken des eingemauerten West-Berlins Erholung zu finden. Der Tegeler See mit den Strandbädern war ein beliebtes Ziel dieser Busse.

Marina Naprushkina, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft, ist zufrieden mit ihrer ersten Saison des Strandbades Tegel. 20.000 Gäste seien gekommen. Davon etwa zwei Drittel Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren. Diese bezahlten keinen Eintritt. Die Erwachsenen verhalfen mit ihrem Eintritt zu Gesamterlösen von knapp 20.000 Euro. Das sei zwar noch zu wenig, um die Betriebskosten zu decken, aber ein Anfang sei gelungen. Das durchwachsene Wetter und vor allen Dingen die Blaualgenplage im Juni hätten das Geschäft geschmälert und die Saison „extrem verkürzt“. Besonders die Kombination von Badefreuden und Kultur habe gut funktioniert.

An dem Abend mit den Schmetterlingsfängern spielt auch noch eine Musikband am Strand auf. Naprushkina verweist stolz auf Auftritte der Choreografin Sasha Waltz mit ihrer Tanzkompanie sowie auf die Besuche der beiden größten Chöre Berlins, dem Domchor und der Sing-Akademie, in der vergangenen Saison. Es sei „viel Kultur produziert worden“, auch von „Kulturschaffenden aus der unmittelbaren Nachbarschaft“. Ihr sei es ein großes Anliegen, den Badestrand mit Kulturdarbietungen zu verbinden. Im nächsten Jahr sind weitere Kooperationen mit Hochschulen geplant. Sie erwähnt ein Labor von Studierenden der Uni Kassel für Architektur und Landschaftsdesign.

Ihr Lebenspartner Udo Bockemühl steht Naprushkina bei allen organisatorischen und finanziellen Fragen zur Seite. Er berichtet von dem „Mäzen“ Klaus Kögler, der mit einer Summe von fast einer Million Euro für den Wiederaufbau des verrotteten Strandbads aufkomme. Damit sich das Strandbad in den nächsten Jahren selbst trage, werden auch Hochzeiten und andere Familienfeiern angeboten. Der Kiosk habe schon diese Saison „fleischloser Kost“ angeboten. Das Restaurant sei noch geschlossen gewesen. Bockemühl hat etwas Geld vom Senat für das Kulturprogramm bekommen und einen Zuschuss vom Bezirk für die Solarfähre. Ansonsten komme das Strandbad ohne staatliche Zuschüsse aus.

Die Pontons für die Solarfähre sind gerade angeliefert worden. Noch sind es nur zwei Aluminiumrümpfe mit einer Holzplattform und einem Gestell. Auf das Dach sollen Solarpanels montiert werden, die den Elektromotor mit Strom versorgen werden. Mit bis zu 12 Gästen sind dann Exkursionen auf dem Tegeler See in der nächsten Saison geplant. Das alles wird in Zusammenarbeit mit der Organisation „Ingenieure ohne Grenzen“ aufgebaut. Auch die Ausbildung von Rettungsschwimmern wird fortgesetzt. Dieses Jahr sind drei Rettungskräfte ausgebildet worden, „die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance gehabt hätten“. bs

Marina Naprushkina und Udo Bockemühl auf der unfertigen Solarfähre Foto: bs

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