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Sonntag, 19. September 2021
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„Schwammstadt“ in Tegel

„Schwammstadt“ in Tegel
Starkregen nimmt zu. Im Schumacher Quartier auf dem ehemaligen TXL will man sich darauf vorbereiten. Visualisierung: Tegel Projekt GmbH

Tegel – Die jüngsten Überschwemmungen nach Starkregen in West-Deutschland sind allen noch gut im Gedächtnis. Der Boden konnte das viele Wasser in der kurzen Zeit nicht aufnehmen. Ganze Städte wurden überschwemmt, es gab viele Tote, Häuser und Wohnungen wurden zerstört. Das „2. Expertenforum Schumacher Quartier im Dialog“ informierte darüber, wie im geplanten neuen Wohngebiet auf dem ehemaligen Flughafen Tegel zukünftig mit Regenwasser umgegangen werden soll. Der Untertitel der Videokonferenz lautete: „Prinzip Schwammstadt, kluge Strategien für die klimaangepasste Stadt“.

Die beiden Geschäftsführer der Entwicklungsfirma „Tegel Projekt“ nehmen gleich am Anfang ihrer Ausführungen Bezug auf die Regen-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Philipp Bouteiller betont, dass diese Ereignisse „keine statistischen Ausreißer mehr sind“ und „wir endlich aufhören müssen, gegen die Natur zu arbeiten, sondern mit der Natur“. Der Klimawandel mit seinen vielen Konsequenzen sei längst in Deutschland angekommen und er sei stolz darauf, dass Berlin mit den Bauvorhaben auf dem Tegeler Flughafen „das größte Schwammstadtquartier der Welt“ bauen werde.

Seine neue Kollegin Gudrun Sack ist Architektin und hebt den „ökologischen Ansatz“ ihrer Arbeit hervor. Das Prinzip der Schwammstadt beruht darauf, das anfallende Regenwasser nicht mehr in der Kanalisation abzuführen, sondern es an Ort und Stelle wie ein Schwamm aufzunehmen und für Pflanzen und Grünflächen zu nutzen. 80 Prozent der 5.000 neu entstehenden Wohnungen sollen sogenannte „blau-grüne Dächer“ werden. Das Regenwasser kommt so den Pflanzen auf den Dächern direkt zugute und ein Großteil verdunstet dort auch klimafreundlich. Überschüssiges Regenwasser werde auf gesondert angelegte Verdunstungsflächen auf dem Erdboden geleitet.

Für Starkregenereignisse, wie wir sie in Berlin im Sommer 2017 hatten, werden unterirdische Zisternen angelegt, die das Wasser aufnehmen können. Wasser aus den Zisternen solle für die Toilettenspülung genutzt werden. Bis alles fertig ist, dauert es noch. Gerade erst ist das Gelände offiziell von der Tegel Projekt GmbH übernommen worden. 2027 sollen die ersten Wohnungen bezugsfähig sein. Das ganze Schumacher Quartier soll „Mitte der 30er Jahre“ fertiggestellt sein.bs

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