Montag, 03. Oktober 2022
Start Panorama Dinner auf dem Rollfeld

Dinner auf dem Rollfeld

Dinner auf dem Rollfeld
Und dann die Hände zum Himmel: Franziska Giffey, die Vorsitzende der Berliner SPD, in Feierlaune Fotos (2): fle

Tegel – Die Gates sind verwaist, das Terminal umzäunt. Fetzen eines Windsacks flattern – wie zum Abschied winkend – an seinem Mast etwas trostlos in der Abendbrise. Nahezu jeder, der am wabenförmigen Airport mit dem Shuttlebus vorbeikommt, an dem pro Monat bis zu zwei Millionen Menschen gestartet und gelandet sind, schaut mit Wehmut auf das einst so stolze Gebäude. Hier wurden Träume geträumt, Hoffnungen geschürt. Es war das Tor zur Welt, weg vom Alltag.

Noch einmal bekommt der scheidende Flughafen nun Besuch, noch einmal wird er gefeiert und auf besondere Art und Weise verabschiedet: Es ist Samstag, der 7. August, und am Abend findet auf dem Rollfeld ein großes „Freedom Dinner“ statt. Dort, wo normalerweise im Minutentakt die großen Flieger gestartet und gelandet sind, war eine 770 Meter lange und 60 Meter breite Tafel aufgebaut. Die Tische waren in einer besonderen Formation angeordnet. Sie bildeten aus der Luft die Worte „BERLIN LOVES YOU“.

„Wir melden uns heute mit einem Fest an einem Ort zurück, der gleichermaßen die Geschichte und die Zukunft symbolisiert“, eröffnet Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller von den Stufen einer Fluggasttreppe das Event, das er gemeinsam mit der Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und der Messe Berlin veranstaltet. „Das Abendevent findet auf der stillgelegten Startbahn einer Berliner Ikone statt – dem Flughafen Tegel, bevor er sich in die ,Urban Tech Republic‘ verwandelt. Wir wollen […] nach vielen Monaten Corona-Pandemie das Zeichen setzen: Berlin ist zurück!“ Schließlich sei Berlin die Stadt der Freiheit und Corona habe das faszinierende, Berlin-typische Lebensgefühl ausgebremst. „Alle haben diese Zeit mit Disziplin, Langmut und Einfallsreichtum gemeistert“, fügt er hinzu. Und Ramona Pop warb darum, dass sich doch alle impfen lassen sollen, um die neue alte Freiheit auch langfristig aufrechterhalten zu können.

Das Zeichen geht um die Welt: Der Schriftzug wird aus der Luft von einem Helikopter und Drohnen festgehalten – inklusive der winkenden und eine La-Ola-Welle formenden Gästen. Die Organisatoren der Tourismusagentur Visit Berlin sprechen im Anschluss von einem „Fest der Vielfalt und der Lebensfreude“ und erhoffen sich dadurch auch Werbung für die Hauptstadt. Sie nahmen dafür eine halbe Million Euro an die Hand. Die meisten Besucher wollen allerdings noch einmal Abschied von ihrem geliebten TXL nehmen. „Er fehlt mir schon jetzt“, sagt Dinner-Gast Thomas Wisener – und spricht vielen der Gäste aus der Seele.

Ein buntes Unterhaltungsprogramm mit Bands und Trommlergruppen rundete das Dinner ab. Es nahm allerdings mit einen Wolkenbruch ein extrem feuchtes Ende. fle

Der Regierende auf der Gangway

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