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Montag, 17. Januar 2022
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Katastrophenschutz im Fokus

Katastrophenschutz im Fokus
Foto: Pixabay

Bezirk – Die RAZ hat sich im Bezirksamt sachkundig gemacht, ob kata­strophale Zustände wie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz auch in Reinickendorf drohen. Hier die wichtigsten Aussagen aus den vorbildlich schnell und umfassend zugesandten Antworten.

Zunächst einmal: Wer ist zuständig und wo beginnt und endet die Zuständigkeit des Bezirks gegenüber Bund und Senat?

Der Katastrophenschutz gliedert sich in Vorsorge und Abwehr. Anders als in den Flächenländern obliegt der Katastrophenalarm aber in der „Einheitsgemeinde“ Berlin ausschließlich der Senatsverwaltung für Inneres. Hingegen liegt der Schwerpunkt des Bezirksamtes in der Vorsorge im Rahmen der jeweiligen ordnungsbehördlichen Zuständigkeiten. Unser bezirklicher Katastrophenschutzbeauftragter heißt Lennart Krummacher und ist mit der Koordinierung der Maßnahmen innerhalb des Bezirksamtes beauftragt. Schwerpunkte des bezirklichen Katastrophenschutzes sind demnach Notunterbringung, Infektionsschutz, Lebensmittel- und Veterinär- sowie die Bauaufsicht.

Wie läuft die Warn-Kette ab? Was, wenn die Gefahrenlage nachts oder während der Urlaubszeit eintritt?

Alle Berliner Bezirke haben gegenüber der Senatsverwaltung für Inneres, sogenannte Spitzenalarmempfänger benannt, die lageabhängig die zuständigen Bereiche informieren. Es gibt in Berlin seit 2012 auch das digitale Kata­strophenschutzportal DiDaKat, in dem wichtige Daten und Informationen hinterlegt sind. Unser Bezirksamt ist ganzjährig rund um die Uhr über einen Dauerdienst erreichbar. In ordnungs- und sicherheitsrelevanten Bereichen greifen Vertretungsregelungen fürs Wochenende sowie die Urlaubszeit.

Wurden die Abläufe geprobt und wenn ja mit welchem Ergebnis?

Bei regelmäßigen, landesweiten Kommunikationsübungen haben sich die internen Alarmierungsstrukturen bei Bombenräumungen, Großbränden und Stromausfällen sowie während der Pandemie bewährt.

Welche Konsequenzen zieht der Bezirk aus dem Warndebakel in NRW?

Die Verantwortung für das Warnwesen wird in Berlin gesamtstädtisch von der Senatsverwaltung für Inneres wahrgenommen. Bereits der wenig erfolgreiche erste bundesweite Warntag 2020 hatte Verbesserungsbedarf offenbart. Der Bezirk kann hier mangels Zuständigkeit allerdings nicht unmittelbar tätig werden, wird sich aber weiterhin konstruktiv in die Diskussion einbringen.

Haben wir in Reinickendorf noch Sirenen und ist eine Erneuerung geplant? Womit wird anstelle bzw. außerdem gewarnt?

Berlin hat Anfang der 1990er-Jahre die Warnsirenen der Feuerwehr flächendeckend abgebaut. Die bundesweit geführte Diskussion über eine Wiedereinführung eines flächendeckenden Sirenensystems bleibt abzuwarten.

Die Warnung der Bevölkerung erfolgt derzeit über Medien, soziale Netzwerke sowie das Internet. So wird die App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) wird seit 2013 vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben. Mehr als fünf Millionen Menschen nutzen sie deutschlandweit. Ebenfalls verbreitet ist die App KatWarn, die vom Fraunhofer-Institut im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelt wurde. Alle Einwohner sind darüber hinaus aufgefordert, eigenverantwortlich Maßnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit und ihres Eigentums zu ergreifen.

Interview Harald Dudel

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf