„Schnitzel“ sucht Anschluss

Ein Wildschwein lebt im Damwild-Gehege

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Mann und Wildschwein
Das Wildschweinchen „Schnitzel“ möchte am liebsten den ganzen Tag lang kuscheln. Revierförster Frank Mosch tut das hier ausnahmsweise einmal fürs Foto.
Foto: mfk

Tegel – „Schau, das Wildschwein ist ganz allein mit den Rehen! Warum lebt es nicht mit den andern Wildschweinen zusammen?“, fragt der Dreijährige seinen Vater. Diese Fragen werden sich Teile der RAZ Leserschaft auch schon gestellt haben in den letzten Monaten, wenn sie am Wildgehege im Schwarzer Weg die Tiere beobachtet haben.

Das Treffen mit Revierförster Frank Mosch bringt nun Licht ins Dunkel: „Im November 2020 rief mich eine Frau an, und fragte, ob sie ein Wildschwein bei mir abgeben könne“. So beginnt die Geschichte, die Mosch der RAZ Reporterin erzählt. Die Frau habe den Frischling im August in der Jungfernheide gefunden. „Ich dachte, es sei von seiner Mutter verlassen worden und nahm es mit nach Hause und zog es zusammen mit meinen Hunden auf“, erzählte ihm die Finderin. Damit es einfacher zu halten sei, habe sie es in einer Tierarztpraxis kastrieren lassen. Der Förster schüttelt den Kopf über eine solche Tierarztpraxis. „Drei Monate später wurde es der Frau mit dem kräftig gewachsenen Tier zu viel und sie rief mich an“, endet die Geschichte über die Herkunft des Wildschweines. „Wir nennen es ‘Schnitzel’“, sagt er mit einem Lächeln auf die Frage, ob es einen Namen habe.

Zuallererst soll hier zitiert werden, was für Förster Mosch absolut wichtig ist: „Nehmen Sie niemals ein junges Wildtier nach Hause und füttern sie es auch nicht! Seine Mutter ist meist in der Nähe und kommt zu ihm zurück.“

Er habe das Tier dann aufgenommen und zum Dam- und Muffelwild ins Gehege gegeben. „Wir konnten Schnitzel nicht zu den Wildschweinen geben, sie hätten es nicht akzeptiert“, erklärt Frank Mosch. Da Schnitzel kastriert ist, kann er auch nicht zur Blutauffrischung beitragen. Durch die Aufzucht bei Menschen ist Schnitzel auch sehr zahm geworden und bleibt meist am Zaun und möchte sogar gestreichelt werden. Mittlerweile hat er sich mit den jungen Hirschen angefreundet und möchte mit ihnen spielen. Dass die Begeisterung etwas einseitig ist, kann die RAZ beim Treffen am Gatter live beobachten.

Demnächst plant Mosch einen Umzug von Schnitzel in das sogenannte Eingewöhnungsgatter. In diesem separaten Gatter neben den Wildschweinen soll getestet werden, ob Schnitzel von seinen Artgenossen angenommen wird. Ziel ist es, dass er zu ihnen ziehen kann.

Um sie vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen, umgibt ein Doppelzaun die Wildschweine. Hinter dem Metallgitterzaun ist mit Abstand noch ein Elektrozaun angebracht worden. Frank Mosch nutzt die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, was die Besucher den Tieren allenfalls füttern dürfen: ausschließlich Futter, dass diese auch in der Natur finden wie Äpfel, Getreide, Kartoffeln, Eicheln. Speiseresten und Brot sind ganz verboten. Für einen Euro spendet der neue Futterautomat Maiskörner.

Und für alle, die es noch nicht wissen: Nudeln sind kein natürliches Futter!

mfk

Das Wildschwein lebt mit dem Damwild zusammen. Die Liebe ist allerdings sehr einseitig. Foto: mfk