Vom Müll-Hotspot zur Oase?

Planungsgruppe nimmt sich der Probleme am Flughafensee an

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Grafik mit Wort-Wolke aus wichtigen Begrifssassoziationen
Ergebnisse einer „Mentimeter“-Befragung

Tegel – Nach jahrzehntelangem Wildwuchs bekommt der Flughafensee nun endlich Aufmerksamkeit: Im Auftrag des Bezirksamts Reinickendorf wird derzeit durch ein Landschaftsplanungsbüro ein Entwicklungskonzept erarbeitet, um die bestehenden und zukünftig wohl noch wachsenden Probleme an dem ehemaligen „Geheimtipp“ zu bewältigen. Müll, Lärm, Vandalismus und Autoverkehr machen den Flughafensee zum hochsommerlichen Hotspot für Ordnungsamt und Polizei, wenn Tagesausflügler und Erholungssuchende in das Waldgebiet strömen.

Mittels einer über das Internet verbreiteten Befragung, Interviews vor Ort und Gespräche mit Akteuren wurden Erholungsaspekte, Aufenthaltsdauer und genutzte Wege ermittelt. Nun wurden die Ergebnisse der Interviews in einer Online-Werkstatt öffentlich präsentiert. Um die Stimmungen und Meinungen einzufangen, wurden zwischendurch immer wieder Umfragen unter den Beteiligten über die Plattform „Mentimeter“ durchgeführt.

Den Auftakt machte der Bezirksbürgermeister Frank Balzer, der die zu erwartenden Herausforderungen in knappen Worten umriss. 2029 wird der Abzug der Hubschrauberstaffel der Bundeswehr erwartet, was dann den Weg für rund 2.000 neue Wohnungen in der Cité Guynemer frei machen wird. Die Öffnung der Tegeler Stadtheide wird zudem den neuen Bewohnern des Schumacher-Quartiers mit rund 5.000 Wohnungen einen kurzen Weg zu der ehemaligen Kiesgrube eröffnen. Die Anwohner an der Bernauer Straße fürchten damit den weiteren Anstieg der Besucherzahlen, wachsende Vermüllung, vermehrte Lärmbelästigung durch nächtliche Partys und steigende Parkplatznöte.

In drei virtuellen Thementischen konnten die Teilnehmenden, die sich vornehmlich aus der Anwohnerschaft und Behördenbelegschaft rekrutierten, die Bereiche „Nutzung und Wasser“, „Naturschutz“ und „Erschließung und Wege“ diskutieren. Kontrovers wurden mögliche Ansätze debattiert um die Nutzerzahlen zu reduzieren. Der kostenpflichtige Besuch des Sees und die Begrenzung der Zugangswege wie auch der Ausschluss bestimmter Nutzungen wurden thematisiert. So wurde die Einrichtung der vorgeschlagenen Hundebadestelle bereits durch die Landschaftsplaner verworfen. Zu viele Beschwerden und Konflikte zwischen Hundehaltern und anderen Badegästen führten zur Forderung einer verbesserten Ausschilderung des nahe gelegenen Hundeauslaufgebiets, um freilaufende Tiere vom See fern zu halten. Hier regte sich der Widerstand Hunde haltender Anwohner.

Deutlich bekannte sich die Planungsgruppe zu der Ausweisung des jetzigen Vogelschutzgebietes als Naturschutzgebiet, wobei die Widerbelebung des Umweltbildungszentrums angeregt wurde, das der NABU über viele Jahre am Flughafensee betreut hatte.

Bis dahin, so mahnte Hans-Jürgen Stork als Sprecher der NABU-Bezirksgruppe Reinickendorf an, muss die in die Jahre gekommene Bojenkette, die das Vogelschutzgebiet vom Schwimmbereich abgrenzt, dringend repariert werden.

Die Ergebnisse der Veranstaltung werden zusammengefasst und werden Eingang in das Konzept finden – über die weitere Umsetzung muss dann der Bezirk Reinickendorf entscheiden.

mvo