Amphibien auf dem Rückzug

Untersuchung der NABU Bezirksgruppe abgeschlossen

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Frau mit Erdkröten in Eimer
Eine ehrenamtliche Helferin präsentiert ihren Fund: Erdkröten! Foto: mvo

Hermsdorf – Seit 2014 hat der Berliner Norden ein Kleinstgewässer mehr. In Wald nahe des Hermsdorfer Damm entstand ein Teich als „Ersatzlaichbiotop“ auf Initiative der NABU Bezirksgruppe Reinickendorf, um Kröten und Fröschen den gefahrvollen Weg zum Tegeler Fließ zu ersparen. Über viele Jahre war deren beste Chance auf Nachwuchs der Umweg über einen Eimer, in dem sie von den ehrenamtlichen Helfern über die verkehrsreiche Straße getragen wurden.

Doch das dauerhafte Stellen solcher Krötenschutzzäune ist nicht nur teuer, sondern auch sehr aufwändig. Mindestens zwei Mal täglich müssen die Zäune auf ganzer Länge abgelaufen und die im Boden eingelassenen Eimer geprüft und händisch geleert werden. Die Ehrenamtlichen des NABU machten das nun schon weit über zehn Jahre und mussten dennoch beobachten, dass die Zahl der Tiere zurück ging – von einst über 2.200 Erdkröten im Jahr 2009 auf knapp 1.300 im Jahr 2014.

Seit dem sank die Zahl der Tiere weiter, doch unklar blieb, wie viele nun womöglich stattdessen den neuen Teich im Wald nutzten, anstatt über den Hermsdorfer Damm zu wandern. Um diese Besiedlung erstmals in Zahlen zu fassen, führte die NABU Bezirksgruppe dieses Jahr eine Erfassung der besonderen Art durch: Der neue Teich im Wald wurde rundherum mit einem Krötenleitzaun umgeben so dass alle Tiere, die das Gewässer zur Eiablage anwanderten, über den Zaun zu den Eimern gelotst wurden, in denen sie gezählt werden konnten. Am 12. März wurden die ersten Molche und Kröten gefunden und dann ging es Schlag auf Schlag. Teichmolche, Grasfrösche und Erdkröten – manche gleich im Doppelpack – wurden nun sogar zwei Mal täglich gezählt und über den Zaun gesetzt. Ende März waren es allein 66 Erdkröten, die in einer Nacht auf diese Weise gefangen wurden, bis es Anfang April wieder zu kalt für die wechselwarmen Amphibien wurde.

Anfang April kam jedoch offenbar auch ein Räuber auf den Geschmack – mutmaßlich ein Waschbär plünderte einen der Fangeimer und bediente sich an den gefangenen Kröten. Zwar konnte dies durch aufgelegte Gehwegplatten wirksam verhindert werden, doch dafür setzte ein neues Problem auf: Bereits in der ersten Aprilwoche machten sich offenbar schon die ersten Tiere wieder auf den Weg aus dem Gewässer, obwohl das von den Amphibienexperten erst für den Mai prognostiziert wurde.

Um den Tieren nun einen weiteren Weg über Eimer und Hände zu ersparen und sie nicht an der Zauninnenseite den aufmerksamen Räubern zum Opfer fallen zu lassen, beendete die NABU-Gruppe die Einzäunung. Ansgar Polozcek, der koordinierende Artenschutzreferent des NABU Berlin, zog die Bilanz: 271 Erdkröten und 179 Teichmolche wurden gezählt. „Schlußendlich hat die Aktion gezeigt, dass das Ersatzbiotop seinen Zweck erfüllt!“, kommentierte er das Ergebnis.

Dennoch ist der seit über einem Jahrzehnt erkennbare Rückgang der Population nicht gestoppt – inwieweit trockene Sommer, neue Amphibienkrankheiten oder Räuber wie der Waschbär hier ihren Anteil haben, bleibt unklar. Letzterer treibt vermutlich weiterhin sein Unwesen, denn auch ohne Zaun und Eimer finden sich aktuell immer wieder getötete Amphibien am Ufer. Hierzu wird die Gruppe weitere Untersuchungen vornehmen.

mvo