Langjährige internationale Freundschaft

Reinickendorf und Greenwich sind verbandelt

134
Männer in englischen Uniformen
Prinz Philip war auch der Baron Greenwich Foto: Archiv

Während in Reinickendorf die Greenwich-Promenade zum Spazieren einlädt, ist es in Greenwich möglich, die Reinickendorf Avenue entlang zu promenieren. Am 25. Mai 1966 unterzeichneten Bezirksbürgermeister Heinz Gutsche und der Mayor of Greenwich die Urkunde, die die Partnerschaft offiziell besiegelte. Schon einen Tag zuvor gab es königlichen Segen: Der kürzlich verstorbene Prinz Philip, Gatte der Queen, erhielt 1947 am Morgen der Hochzeit nicht nur den Titel Duke of Edinburgh, sondern wurde auch Baron Greenwich of Greenwich. Als er im jenen Mai 1966 eine Rede in der Königlichen Marineakademie Greenwich hielt, wendete er sich in einem Grußwort auch an die deutsche Partnergemeinde, er freue sich auf „eine enge Verbindung mit dem Bezirk Reinickendorf in West-Berlin.“

Im September des folgenden Jahres wurde im Märkischen Viertel die Greenwich-Schule eröffnet. Vor einigen Jahren wurde sie mit der Hannah-Höch-Grundschule zusammengelegt, aber die Inschrift auf einem metallenem Torbogen trägt noch immer den alten Namen.

Das markanteste Gastgeschenk des Londoner Stadtteils ist sicherlich die englische Telefonzelle am Tegeler See. Dem farbenfrohen Fernsprechhäuschen ist sein düsteres Vorbild nicht anzusehen – der Designer orientierte sich nämlich 1924 an der Form eines Mausoleums in London, das ein renommierter Architekt für seine Frau und sich entworfen hatte. Bis Ende 2017 konnte aus der Zelle an der Promenade sogar noch telefoniert werden. Dann wurde sie abgebaut und eine Provinzposse begann. Die weitgereiste Telefonzelle musste ihren Standort verlassen und wurde vorm Rathaus aufgestellt – dort sei sie angeblich weniger dem Vandalismus ausgesetzt. Aufgrund der großen Empörung über den Verlust des prominenten Wahrzeichens an der Uferpromenade kam das gute Stück nach 55 Tagen wieder zurück auf seinen heutigen Platz neben dem englischen Briefkasten im gleichen Signalrot.

Ein Präsent mit besonderem Gewicht stellen die beiden Kanonen am Ufer des Tegeler Sees dar. Zusammen wiegen sie 4,5 Tonnen. Die Mündungslader stammen aus dem 18. Jahrhundert und wurden bei Grabungen an der Themse entdeckt. 1983 gab es am neuen Standort eine feierliche Einweihung des Gastgeschenks mit musikalischer Untermalung durch die Royal Irish Rangers. Statt Kanonendonners kamen „Salutschüsse“ in Form von Wasserfontänen von einem Feuerwehrlöschboot zum Einsatz. Bleibt zu hoffen, dass nach den langen Reisebeschränkungen bald wieder ein lebendiger Austausch mit der Partnergemeinde in England möglich sein wird.

bod

 

Englische Telefonzelle am Tegeler See Foto: bod

Lesen Sie zum Thema auch:

https://www.raz-zeitung.de/2021/04/29/ein-baer-kann-eine-bruecke-sein/