Noch immer keine Abhilfe gegen Starkregen

Die Siedlung Mäckeritzwiesen wartet weiterhin auf ein Ableitungssystem von Oberflächenwasser

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zwei Männer geben sich die Hand
Bernd Plenus (l.) und Michael Loßmann beim Handschlag Foto: bs

Tegel – Ein freundlicher Händeschlag über Schranken hinweg verbindet zwei recht unterschiedliche Siedlungsgebiete auf den Mäckeritzwiesen. Den Abwasserverein Siedlung Mäckeritzwiesen mit dem 1. Vorsitzenden Bernd Plenus und die Grundeigentümergemeinschaft Singdrosselsteig mit dem 1. Vorsitzenden Michael Loßmann eint die Sorge um die Abführung des Oberflächenwassers. Im Juni 2017 regnete es so heftig, dass viele Grundstücke mit ihren Häusern einfach absoffen. Unsanft wurden die etwa 600 ständig dort wohnenden Bürger daran erinnert, dass der ehemalige Abwassergraben in Richtung des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals vor Jahrzehnten im Zuge des Flughafenbaus einfach zugeschüttet worden war.

Nach dem Starkregen 2017 griffen die Bürger selbst zur Schaufel und beauftragten eine Firma, um den Graben auf einer Länge von etwa 130 Metern wieder herzustellen. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Zunächst muss das Regenwasser geordnet von den Grundstücken abgeführt und in Rinnen oder Rohren dem neu entstehenden Graben zugeführt werden. Der Graben soll das Wasser dann in ein Sammelbecken nahe dem Kanal leiten. Dort muss wieder ein Pumpwerk installiert werden, das das Wasser zu guter Letzt in den Kanal hievt.

Das alles gab es einmal auf dem Gelände, das sich seit den 30er Jahren zu einem Wohngebiet entwickelt hat. Die zukünftigen Bebauungspläne hängen davon ab, ob die Wasserentsorgung geregelt wird. Das soll in Zusammenarbeit zwischen den Siedlungsvereinen auf der einen Seite und der öffentlichen Hand mit Bezirk und Senat auf der anderen Seite angegangen werden. Schon vor fast zwei Jahren hatte der Abgeordnete Jörg Stroedter (SPD) Abhilfe mit 1,5 Millionen Euro aus dem SIWANA-Programm (Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfond) in Aussicht gestellt. 2020 sollten die Bagger rollen und loslegen.

Es kam anders. Die teilweise schwierige Abstimmung zwischen den Siedlern, „allgemeine verwaltungstechnische Verzögerungen“ (Loßmann) und Corona führten dazu, dass nichts weiter geschehen ist. Michael Loßmann wünscht sich, dass bald etwas passiert: „Je länger kein Starkregen kommt, desto desinteressierter sind die Siedler“. Sie müssen nämlich auch selbst tief in die Tasche greifen, um das Wasser auf ihren Grundstücken in Zisternen zu sammeln und dem Graben zuzuführen. Das kostet pro Grundstück und Eigentümer zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Der Graben, das Sammelbecken und die Pumpstation sollen aus Senatsmitteln bezahlt werden.

Bei der Begehung des Geländes drängt auch Ulf Wilhelm (SPD), Bezirksabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung und -entwicklung, zur Eile: „Die Starkregenereignisse nehmen durch den Klimawechsel zu.“ Ein paar Tage nach der Ortsbesichtigung fand eine Videokonferenz mit Vertretern der Siedlungsvereine, des Bezirks und des Senats statt. Bernd Plenus spricht von einem „konstruktiven Gespräch“ und dass „alle an die Sache glauben“. Der Bezirk will noch vor Ostern Vertragsvorlagen an die Siedlervereine schicken, damit diese sich zu „Erschließungsgemeinschaften“ zusammenfinden. Wenn alles gut geht, kommt es noch dieses Jahr zum offiziellen Spatenstich.

bs