Neue Runde„Schwarzer Peter“

Wer ist für das Wassersystem in Cité Guynemer verantwortlich?

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Mann im Garten mit Blumentöfpfen um einen Gullydeckel
Gert Pätzold in seinem Garten an einem Zugang zum Abwassersystem (Bild: bs)

Tegel – Beim Kartenspiel „Schwarzer Peter“ geht es darum, wer zum Schluss auf der Verliererkarte sitzen bleibt. In der Cité Guynemer scheinen bei der Wasserver- und -entsorgung ähnliche Spielregeln zu gelten. Dortige Bewohner warten seit Jahrzehnten darauf, dass die verantwortlichen Parteien sich eine Lösung einfallen lassen, wie das von den Franzosen übernommene marode Wassersystem renoviert werden kann. Aber keiner will den „Schwarzen Peter“ haben. Noch im alten Jahr wurde eine neue Runde am Spieltisch eingeläutet.

Am 8. Dezember vergangenen Jahres teilte die „Cité-West Immobilien Konzeptions UG i.L.“ den betroffenen Bewohnern mit, dass sie jetzt aus dem Spiel ausgestiegen sei. Die Firma habe „den gesetzlichen Fristen und Formen folgend, am 7.12.2020 einen Antrag auf Insolvenzeröffnung“ gestellt. Bisher war sie für die Wasserversorgung von Teilen der Cité Guynemer zuständig. Entstanden war die Firma als Ableger der nahezu gleichlautenden Immobilienfirma „City West“, die seinerzeit Boden und Häuser vom deutschen Staat gekauft hatte, aber kein Interesse an der mitgekauften Wasserin­frastruktur zeigte und deswegen die Extrafirma für diese missliche Aufgabe gründete.

Die eigentliche Immobilienfirma „City West“ und auch der deutsche Staat in Form der „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ (BImA) gaben sich seitdem alle Mühe, den Schwarzen Peter bei der nun in die Insolvenz geschickten Cité-West Immobilien Konzeptions UG i.L zu belassen. Ihr Geschäftsführer Roland Türk wollte die Firma mit den lästigen Wasserversorgungsaufgaben längst liquidieren und hatte das auch immer wieder angekündigt. Aber bei diesem Spiel warten alle am Tisch nur darauf, dass ein anderer den „Schwarzen Peter“ hat – und lehnen sich dann zurück.

In dem Abschiedsschreiben von Türk an die Bewohner teilt er diesen aufmunternd mit, der „vorläufige Insolvenzverwalter wird sich kurzfristig bestimmt bei Ihnen melden.“ Hat er aber bisher nicht. Einer der Anwohner ist Gert Pätzold (die RAZ berichtete). Er bleibt auf sich gestellt mit den bekannten Abwasserproblemen, die in den vergangenen Jahren immer wieder zu „Fäkalwasser“ in seinem Keller geführt hätten. Über den aktuellen Spielstand schimpft er, das sei „nicht nur unverschämt, sondern unlauter“. Die ganze Siedlung werde „im Ungewissen gelassen“. Er möchte einen weiteren Spieler an den Tisch ziehen, der sich gern bedeckt im Hintergrund hält, um ja nicht den „Schwarzen Peter“ zu erwischen.

Pätzold und seine Mitstreiter fordern, dass der Bezirk Reinickendorf die Straßen übernimmt und damit auch die Verantwortung für die Wasserversorgung. Zumindest solle der Bezirksbürgermeister das direkte Gespräch mit den betroffenen Bürgern aufnehmen. Aber „vom Bezirk haben wir nichts gehört, er lässt die Bürger wieder allein“. Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) hatte mehrfach angekündigt, mit den Betroffenen zu sprechen, sobald es die Pandemiesituation erlaube.

In einer Stellungnahme gegenüber der RAZ aus dem vergangenen Jahr lässt er über das Bezirksamt mitteilen, dass sich das Wasserleitungssystem „in einem desolaten Zustand“ befinde, eine Übernahme der Straßen in Bezirkshand jedoch mit „einer derzeit nicht abschätzbaren finanziellen Belastung für den Bezirk verbunden“ sei. Balzer will nicht so richtig mitmachen beim „Schwarzen Peter“ und verweist auf die anderen Spieler, vor allen Dingen auf die BImA.