Keine Poller im Waldseeviertel

Verkehrsgutachten gibt kein grünes Licht für Straßensperrung

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Menschen auf einer Straße
Auf der Straße: Anwohner des Waldseeviertels organisierten im vergangenen Sommer eine Aktion für mehr Verkehrsberuhigung. Foto: privat

Hermsdorf – Eigentlich sollten Poller die Elsestraße und Schildower Straße für den motorisierten Verkehr im Waldseeviertel sperren, um den Durchgangsverkehr aus dem Umland einzudämmen. Im Mai 2020 hatte sich die Bezirksverordnetenversammlung dafür ausgesprochen. Bezirksbaustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) gab dafür ein Gutachten in Auftrag. Dieses kommt jetzt aber zu dem Ergebnis, dass weder eine Sperrung noch eine „Einbahnstraßenregelung“ eine angemessene Lösung der Verkehrssituation darstellen würde. Denn die Folge seien „untragbare Verkehrsverlagerungen“, die Bundesstraße 96 wäre vollständig überlastet.

Auch ein zusätzlicher abgetrennter schneller Fahrradweg wird abgelehnt, hierfür müsste die Schildower Straße verbreitert werden. Das Gutachten wurde jetzt im Verkehrsausschuss vorgestellt, es ist auf der Webseite des Bezirksamtes Reinickendorf einsehbar.

Die Initiative „Offene Nachbarschaft“ begrüßt das Ergebnis des Gutachtens. Damit sei „eine sachliche Grundlage gelegt für einen seriösen Dialog über ein modernes Verkehrskonzept“. Seit längerem setzt sich die Initiative gegen eine Sperrung ein, da sie eine Trennung der Nachbarschaft von Hermsdorf und Glienicke befürchtet.

Aus einem anderen Blickwinkel sieht die „Bürgerinitiative für mehr Verkehrsberuhigung“ die Situation im Waldseeviertel. Seit Jahren fordern deren Mitglieder, etwas gegen die werktäglichen Autokolonnen zu unternehmen, die auf die engen Wohnstraßen ausweichen. „Das Verkehrsgutachten hat bestätigt, dass der Durchgangsverkehr im Waldseeviertel tatsächlich sehr stark ist. Das Problem ist zu groß, um weiterhin ignoriert zu werden“, sagt Michael Ortmann von der Bürgerinitiative für mehr Verkehrsberuhigung.

Ortmann weiter: „Wenn dann allerdings alle Autos über die B96 führen, käme es dort in den Spitzenzeiten zum Stau. Bei diesem Worst-Case-Szenario ist ein möglicher Umstieg auf ÖPNV oder Fahrrad, eine gänzlich andere Routenwahl, zum Beispiel über die B96a, und eine verbesserte Ampelschaltung, die wir immer gefordert hatten, nicht berücksichtigt worden. Es darf darüber hinaus nicht verkannt werden, dass Staubildung ein gewünschtes Regulativ sein kann, das zum Umdenken der eigenen Mobilität führt. Die politische Bewertung des Gutachtens soll im Februar erfolgen.“red