Kommissar, Komparse, Autor

Andreas Preiß ist ein wahrer Tausendsassa

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Als Komparse ist Andreas Preiß vielbeschäftigt: Hier wurde er für die US-amerikanische Serie Counterpart „hübsch gemacht“. Fotos: privat

Wittenau – Andreas Preiß lebt seit 1994 in Wittenau. Im April 2019 ging der ehemalige Kriminalbeamte in Rente. Und schon im Dezember erschien sein Romanerstling „Tod am Fließ – Zaplinski ermittelt“. Der Titel verrät es schon, der Bezirk spielt eine Rolle.

Herr Preiß, Sie sind Reinickendorfer?

Ja, das ist mein Heimatbezirk. Als ich sechs war, zogen wir in den Lübener Weg, unweit vom alten Humboldt-Krankenhaus. Über Borsigwalde und Tegel­ort bin ich 1994 in Wittenau gelandet und geblieben.

In welchen Abteilungen/Dezernaten waren Sie bei der Polizei beschäftigt?

Es begann im Wedding beim Kripo-Sofortdienst: Mein Kollege und ich sorgten in der Morgenpost für die Überschrift „Das Fettauge des Gesetzes wacht“. Zwei jugendliche Kneipeneinbrecher waren beim Verlassen des Tatorts in ein Fass mit altem Frittierfett geraten. Die markanten Sohlenabdrücke ihrer Turnschuhe ließen sich bis zu ihrer Wohnung verfolgen. Dann war ich u.a. bei der „Soko Lietze“, die sich in den 1980ern mit dem von Baustadtrat Antes ausgelösten Bauskandal beschäftigte. Beim Mobilen Einsatzkommando war ich unter anderem an der Festnahme der sogenannten Hammerbande sowie von Kaufhauserpresser „Dagobert“ direkt beteiligt. In den letzten Jahren war ich Mitarbeiter in der Onlineredaktion der Berliner Polizei.

Ihr Protagonist Dieter Zaplinski ist Erster Kriminalhauptkommissar aus Wittenau und muss den gewaltsamen Tod eines Zuhälters aufklären. Wieviel „Preiß“ steckt in Zaplinski?

Da muss ich lachen. Mein Sohn meint, in der Figur wäre so viel von mir drin, dass nix mehr für ein zweites Buch übrig wäre. Im Ernst, auch ich versuche mich im Billard und bin glühender Fan der Handball-Füchse, aber ansonsten sind Zaplinski und ich eher ziemlich entfernte Verwandte. Es gab mal einen Kollegen, der in seiner Freizeit bei seiner Frau in der Kneipe gezapft hat, der hat mich inspiriert. Und weil das auch schon der eine oder andere wissen wollte: nein, eine „Moni“ wie Zaplinski habe ich auch nicht…

Kriminalbeamte müssen viel „Schreibkram“ erledigen. In den Fernsehkrimis eine ungeliebte Tätigkeit. Wie sah es bei Ihnen aus: War es lästiger Schreibkram, oder hat sich gar eine Leidenschaft fürs Schreiben entwickelt?

Der Schreibkram fiel mir wahrscheinlich immer schon leichter als dem einen oder anderen Kollegen. Früher musste ich aber immer korrekt und förmlich schreiben. Jetzt kann ich mir dichterische Freiheiten nehmen. Aber ich hab‘ ziemlich unterschätzt, dass auch das echte Arbeit ist.

Sie arbeiten auch als Komparse beim Film. Wo waren Sie überall dabei?

Das ging von GZSZ, Berlin Tag und Nacht über Berlin Station, Counterpart, Dogs of Berlin, Blackout, Herr und Frau Bulle, Usedom-Krimi bis Polizeiruf 110 und Tatort. Da war ich Arzt und hatte einen Satz zu sprechen, der aber in der Endfassung nicht mehr vorkam. Beim nächsten Schirach-Film sitzen meine Frau und ich dann als Zuschauer im Gerichtssaal und sind vom Vortrag des Rechtsanwalts fasziniert (gespielt von Peter Kurth). Im April soll der Film „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ von Dominik Graf nach Erich Kästner endlich in die Kinos kommen. Da durfte ich sogar ein paar Sätze sagen. Mal sehen, was diesmal davon übriggeblieben ist. Witzig war auch, als ich als Handdouble für Charlie Hübner in der Sky-Serie Hausen eine Tür aufschließen musste. Jetzt weiß ich, was eine Schlüssel­szene ist. Komparsen tauchen ja im Film meist unscharf im Hintergrund auf, das stellt man sich aufregender vor als es ist. Viel Zeit vergeht mit dem Warten auf das „Bitte“ zum Drehen.

Nebenbei malen Sie. Was malen Sie und was bedeutet Ihnen die Malerei?

Das mit dem Malen hat mich selbst überrascht, weil ich es in der Schule gehasst habe. Es tut mir gut, in meinem Keller hemmungslos mit viel Farbe zu hantieren, Bilderrahmen zu bauen oder alte Fenster dafür zu nutzen. Inzwischen hängen viele meiner Bilder bei Verwandten und Freunden an der Wand. Freiwillig und nicht nur, wenn ich zu Besuch komme. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass die jemandem außer mir gefallen könnten. Meine Gesichter sind ja auch überwiegend ziemlich böse, sagt meine Enkeltochter. Stimmt schon …

Und was haben Sie als Nächstes in Planung?

Ich wollte ja im November schon eine kleine Ausstellung mit meinen Bildern im Kunstzentrum Tegel-Süd organisieren. Das ging ja leider nicht, aber ich würde das gerne nachholen. Und wer weiß, vielleicht muss Zaplinski auf seine alten Tage doch nochmal einen verzwickten Fall lösen.

Danke für das Gespräch.

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