Bumerang im DDR-Luftraum

Michael Janke baut die Fluggeräte seit mehr als 30 Jahren

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Mann mit Bumerang
Der Bumerang ist Michael Frankes große Leidenschaft. Foto: Teiche

Bezirk – Eigentlich ist der Reinickendorfer Michael Janke Diplom-Physiker und hat sein Arbeitsleben in der Mikroelektronik für Luft- und Raumfahrt verbracht. Einen wirklichen Namen allerdings hat er sich in der kleinen aber feinen Bumerangszene gemacht. Das scheint nicht ganz zu passen, hat aber eng miteinander zu tun. 1988 hatte sich der heutige Mitsechziger mit einer Mikroelektronikfirma selbstständig gemacht.

„Um die Weihnachtszeit wollte ich meinen Kunden als Jahresendgabe mal was anderes bieten als das Übliche“, erzählt Janke. „Inhalt: Ein Werbegeschenk zum Wegwerfen. Vorsicht! Es kommt zurück“, schrieb er auf die zu verschickenden Umschläge. Und diese enthielten insgesamt 60 selbstgebaute Zimmerbumerangs.

Der Erfolg war überwältigend. „Das Telefon stand überhaupt nicht still. Aber keiner wollte Mikroelektronik kaufen. Nein, Bumerangs waren gefragt“, erinnert sich der Physiker, der, ganz Geschäftsmann, einfach umsattelte. Nun gingen die wiederkehrenden Wurfgeschosse unter seinem Namen auf den Markt. Produzieren ließ er in Polen. Der Eiserne Vorhang stand noch. Mehr oder weniger goldene Zeiten schienen anzubrechen.

Dass er selbst mit dem Wurfgerät vertraut war, bei dem jeder Laie zuerst an Australien denkt, hat Janke seinem Großvater zu verdanken: „Der stammte von der Ostsee, und da war das Bumerangwerfen neben Drachenfliegen ein traditioneller Volkssport. Und so habe ich das als Kind schon gelernt.“ Was für einen außergewöhnlichen Sport er da so selbstverständlich an der Seite des Opas kennen gelernt hatte, brachten ihm so recht erst seine Kunden zu Bewusstsein. Und nun kannte das Bumerangfieber keine Grenzen mehr. Und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Nicht nur, dass er bei den Deutschen Meisterschaften in den Rehbergen mit vielen tausenden Zuschauern maßgeblich mittat, auch dem ersten Bumerangclub der DDR half er auf die Beine. Und einen besonderen Coup landeten Janke und seine Mitstreiter, immerhin stand die Berliner Mauer noch, im November 1989 am Brandenburger Tor. Von Westberliner Gebiet aus geworfen, überwand das Gerät die Staatsgrenze, grüßte das Hoheitsgebiet der DDR und kehrte wohlbehalten in die Hand des Werfers zurück. Auf derlei Scherze standen seinerzeit weder die DDR-Grenzsoldaten noch die Westberliner Polizei. Es galt also, flinke Füße zu machen. Die Presse hingegen war angetan. Genüsslich berichtete sie über die waghalsige Aktion.

Heute ist es ruhiger geworden um die Bumerangszene. „Es fehlt der Nachwuchs“, so Janke, der auch das lesenswerte Buch „Leicht- und Zimmerbumerangs“ verfasst hat. Als studierter Physiker kann er ganz genau erklären, wie das mit dem Auftrieb und dem Impulserhaltungssatz funktioniert. Und wie man in unter zwei Minuten einen perfekt funktionierenden Bumerang, etwa aus einem Bierdeckel, einer Postkarte oder am besten einem Milchkarton bastelt, zeigt er immer wieder vor staunenden Erwachsenen und Kindern.

Janke räumt mit falschen Mythen auf. „Bumerangs hat es zu allen Zeiten und überall auf der Welt gegeben. Er ist keinesfalls ein australisches Unikat“, sagt Janke und berichtet, dass der älteste je gefundene Bumerang im heutigen Polen vor etwa 20.000 Jahren seinen Besitzern Freude bereitet hat oder auch dass das Wurfholz der alten Australier so gar nichts mit einem Bumerang zu tun hatte und mitnichten in die Hand des Werfers zurückkehrte. Was den Bumerangfan auf die Palme bringen könnte, ist, „wenn die Leute sich im Kaufhaus einen Bumerang kaufen, ohne Anleitung, ohne Kenntnis und dann schimpfen, dass das Mistding nicht funktioniert“.

Stundenlang kann Janke von seinem Lieblingssportgerät sprechen. Wer mehr wissen möchte, gehe auf die Internetseite www.leicht-bumerangs.de.

Lutz Teiche