Gipfelkreuze stürmen

An den Feiertagen Reinickendorfs Seen und Wälder erkunden

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Gewässer
Auf Stegen geht es durchs Tegeler Fließ Fotos (3): fle

Bezirk – Mit 134 Kilometer markierten Wanderwegen ist der Bezirk Reinickendorf mit seinen unterschiedlichen Gewässern und dem Tegeler Forst ein perfektes Wandergebiet. Warum also nicht die Weihnachtsfeiertage nutzen, um einen der Wege zu erkunden oder sogar ein Gipfelkreuz zu erklimmen?

Das Tegeler Fließ ist ein besonderer Ort Berlins und hätte viel zu erzählen, könnte es sprechen. Schon tausende Jahre alt, handelt es sich hierbei um eine eiszeitliche Abflussrinne, die sich durch den Berliner Norden auf 17,3 Kilometern in Richtung des großen Urstromtals schlängelt und später in den Tegeler See mündet. Hier sagt die Eiszeit noch „Hallo“, und man kann sich leicht vorstellen, wie die Naturgewalten diese Landschaft über Jahrtausende geformt hat. Die Wanderwege sind den Windungen des Gewässers angepasst, und hinter jeder Ecke offenbart sich ein neues Naturpanorama.

Am Tegeler See könnte die Wanderung an der Greenwichpromenade beginnen, benannt nach dem Partnerbezirk Greenwich in London. Über die Sechserbrücke führt der Weg rund fünf Kilometer bis nach Tegelort am Tegeler See entlang, der mit einer Fläche von 450 Hektar nach dem Müggelsee der zweitgrößte See Berlins ist.

Reinickendorf hat außerdem einen Gipfel samt Gipfelkreuz. Und er lässt sich leicht erklimmen: Das Kreuz befinde sich nur 69 Metern Höhe und ziert den Ehrenpfortenberg, die höchste natürliche Erhebung des Bezirks Reinickendorf. Alpinisten werden wahrscheinlich nur leise schmunzeln, möglicherweise sogar den Kopf schütteln und denken: „Da laufe ich doch gar nicht erst los! Doch auch wenn es nicht der höchste Berg Berlins ist und ein lächerlicher Aufstieg im Auge der aktiven Bergwanderer, so ist ein Spaziergang dorthin durchaus reizvoll. Start könnte der Waldspielplatz an der Schulzendorfer Straße in Hermsdorf sein. Von dort sind es etwa 30 Minuten zu Fuß. Am kleinen weißen Stein, der als Wegweiser dient, führt ein kleiner Weg hinauf auf das Plateau.

Übrigens: Seinen Namen trägt der Ehrenpfortenberg bereits seit mehr als 300 Jahren. Das hat mit Kurfürst Friedrich III. zu tun: Anlässlich seiner Krönung zum König wurden im Jahr 1701 zu seinen Ehren Ehrenpforten in ganz Berlin errichtet – eine davon auf dem Adlerberg, der seitdem Ehrenpfortenberg heißt. Das Kreuz, das inmitten von Bäumen den kleinen Gipfel ziert, wurde vor rund drei Jahrzehnten errichtet. Es ist vermutlich das einzige Gipfelkreuz Berlinsund auch schon aus diesem Grund ein perfektes Ziel für eine Waldwanderung. Dort lässt sich am Holztisch mit Bänken ein leckeres Picknick gut schmecken. Zudem hat der besondere Ort auf der Anhöhe auch etwas Mystisches an sich. Und wer einmal dort war, den zieht es immer wieder dorthin zurückkehren wollen. fle

RAZ-Autorin Christiane Flechtner am Gipfelkreuz am Ehrenpfortenberg

Momentaufnahme am Tegeler See