Dienstag, 04. Oktober 2022
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Beim Schulneubau ist ein Spatenstich nicht in Sicht

Beim Schulneubau ist ein Spatenstich nicht in Sicht
Blick auf die Weiße Stadt. Foto: ks

„Der Senat muss hier jetzt endlich einmal zu Potte kommen“, fordert Burkard Dregger, Wahlkreisabgeordneter aus Reinickendorf. Die Äußerung klingt salopp, der Hintergrund ist für Kinder und Eltern in Reinickendorf-Ost aber ernst. Seit Jahren steigen die Schülerzahlen, die aktuellen Schulentwicklungspläne sprechen eine klare Sprache. Ab dem Schuljahr 2022/2023 wird in Reinickendorf-Ost ein steigender Platzbedarf bestehen, „der durch die vorhandenen Schulbauten nicht aufgefangen werden kann“, formuliert die Senatsbildungsverwaltung in einer Stellungnahme Ende Oktober auf eine Anfrage von Burkard Dregger.

Ein Schulneubau ist unerlässlich. Als Standort dafür ist die Fläche an der Aroser Allee/Thurgauer Straße vorgesehen. Der Haken: Ein dortiger Neubau kollidiert mit dem Denkmalschutz. Das Bauvorhaben liegt in der „Pufferzone“ der „Weißen Stadt“ (die RAZ berichtete). Das Deutsche Nationalkomitee der Welterbe-Community Icomos (International Council on Monuments and Sites) erhob im Dezember vergangenen Jahres Einwände gegen die geplante Modulbauweise. Gemeinsam mit der Icomos will der Senat jetzt eine Lösung finden. Dafür hat er verschiedene alternative Planungen erarbeitet, welche eine individuelle Anpassung des Neubaus an die Umgebung erlaube. Aus Sicht des Senates sind dabei die beiden öffentlichen Belange der Schulplatzversorgung und des Denkmalschutzes gleichrangig.

„Die Schulplatzversorgung in Reinickendorf-Ost darf dem Denkmalschutz nicht zum Opfer fallen“, hält Dregger dagegen. „Anders als der Senat sehe ich hier nicht gleichberechtigte öffentliche Belange. Es ist richtig, einen Ausgleich zu suchen zwischen Denkmalschutz und Schulplatzversorgung. Mangels anderer in Frage kommender Standorte muss die Schulplatzversorgung aber letztlich prioritär behandelt werden,“ kritisiert Dregger den Senat. Dass 4,5 Jahre nach der Entscheidung zum Bau einer Grundschule entscheidende Fragen nicht geklärt seien, sei kein „Ruhmesblatt“.

Um die Situation für die Schüler zu entschärfen, plant der Senat eine Interimslösung mit Containern: Auf dem benachbarten Grundstück der Jugendfreizeitstätte Fuchsbau soll ein vorübergehender Filialstandort der 1,2 km entfernten Grundschule am Schäfersee errichtet werden. Hierfür wäre Bauherr der Bezirk.

Das Bezirksamt hat entsprechende Mittel beim Senat bereits beantragt, die auch bewilligt wurden, aber noch nicht ausgezahlt wurden. Hier müsse, so Dregger, zügig eine Entscheidung gefällt werden, damit dieses Provisorium pünktlich zum Schuljahr 2022/2023 fertig gestellt sein wird.

ajö

Kommt sie, die neue Schule? Und wenn ja, wann? Foto: ks

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