In diesem Jahr mit Abstand shoppen

Das vorweihnachtliche Einkaufserlebnis im fachkundigen Einzelhandel ist in Gefahr

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Mann in Geschäft
Foto: dsd

Einfach ein paar Klicks im Internet – Online-Käufe erscheinen leicht, jedoch wird vieles sinnlos gekauft und einiges nur zur Ansicht. „Ein Einkauf im Laden führt zu bewusstem Nachdenken“, argumentiert Gerald Knüppel (Foto), der seit über zehn Jahren die Kerzenmanufaktur Lichterglanz mit einer Partnerin in Borsigwalde betreibt.

„Das Anfassen eines Produktes hilft bei der Kaufentscheidung, aber auch das Eintauchen in die Ladenatmo­­­­­s­phäre sowie das persönliche Gespräch mit Beratung geben das Gefühl, etwas erlebt zu haben und nicht nur das Gefühl, irgendetwas gekauft zu haben.“ Sein traditionelles Einkaufserlebnis basiert darauf, beim Rundendrehen zum Abkühlen der Kerzen in liebevoll dekorierter und weihnachtlich geschmückter Atmosphäre immer wieder neue süße Geschenkideen zu finden. „Leider bleiben unsere Wachsfässer geschlossen, denn aufgrund der Ladengröße dürfen derzeit nur vier Personen eintreten. Das reicht nicht, um das Kerzenziehen zu ermöglichen und zeitgleich spontanen Käufern die Tür offen zu halten“, erzählt der gebürtige Borsigwalder. Die Kerzenmanufaktur ist doppelt betroffen von den diesjährigen Einschränkungen. Normalerweise kommen täglich mehrere Kita- und Schülergruppen zum Kerzenziehen, um ihren Eltern mit Zeit und Liebe Gefertigtes zu schenken.

„Der Abgang von Kunden hin zu Online Shops macht den traditionellen Händlern schon lange zu schaffen“, berichtet auch Peer Hamann, Centermanager der Hallen Am Borsigturm. „Mein Shoppingerlebnis wird hier durch die ständigen Durchsagen zur Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln getrübt“, erzählt ein Kunde beim Einkaufen in dem kleinem Delikatessenlädchen direkt unter den Rolltreppen. „Selbstverständlich verzichten wir auf Events, bei denen die AHA-Regeln nicht eingehalten werden können, dennoch schaffen wir auch in diesem Jahr eine stimmungsvolle weihnachtliche Atmosphäre mit beeindruckenden Walking Acts“, so Hamann. Mit dem Slogan „So viel X-MAS gibt’s nur hier“ versucht der Centermanager Besucherfrequenzen wieder zu steigern. „Der steigende Online-Handel macht es notwendig, den Zweck des stationären Einzelhandels zu überdenken. Der multifunktionale Marktplatz der Zukunft soll zum Verweilen und Genießen einladen.“ Doch ist Verweilen derzeit erlaubt? dsd