Statt ins Tor ins Aus: Der fairste Kicker Deutschlands

Danny Teichfischer vom Nordberliner SC vom DFB für eine starke Geste mit der Fairplay-Medaille geehrt

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Fußballspieler
Da geht‘s lang zum fairen Spiel: Danny Teichfischer im Trikot des Nordberliner SC Foto: bek

Heiligensee – Hohe Auszeichnung für Danny Teichfischer: Nachdem der Stürmer des Nordberliner SC bereits im Januar dieses Jahres im Rahmen des traditionellen Neujahrsempfangs vom Berliner Fußball-Verband für die Fairplay-Geste des Jahres 2019 geehrt worden war, erhielt er nun die Fairplay-Medaille des DFB. Der 34-Jährige setzte sich gegen die 20 weiteren Nominierten aus den jeweiligen Landesverbänden durch und gewann die bundesweite Auszeichnung, die der Verband seit 1997 vergibt.

Gut zwei Jahre liegt die Situation zurück, die Teichfischer nun nochmals ins Rampenlicht rückte. Nur noch wenige Minuten waren am 28. Oktober 2018 auf dem Sportplatz an der Halker Zeile in Lichtenrade zu spielen. Spielstand 1:1 bei der Landesliga-Partie zwischen dem Lichtenrader BC und dem Nordberliner SC, Teichfischer hatte den Treffer zum Ausgleich erzielt. Ein langer Ball flog nun aus der Hälfte der Gäste an den LBC-Strafraum. Der LBC-Torwart Dennis Rahden eilte aus seinem Kasten, krachte mit Gäste-Stürmer Thaim Kamara zusammen. Beide blieben liegen. Der Ball lag vor den Füßen von Danny Teichfischer, das Tor war leer. Der Torjägerinstinkt sagt eigentlich: Schieß ihn rein. Aber Teichfischer entschied sich im Bruchteil einer Sekunde anders und beförderte den Ball ins Seitenaus.

„Ich habe nur gedacht: Was ist mit meinem Teamkollegen, was mit dem Torwart? Es hatte ja ganz schön geknallt zwischen den beiden. Ich hätte es einfach nicht fair gefunden, die Situation auszunutzen“, sagt Teichfischer, wenn er die Szene beschreibt.

Die Aktion brachte ihm nun mehr Aufmerksamkeit ein, als er es mit Toren jemals geschafft hätte. „Es gab einige Anfragen von Zeitungen, auch vom rbb, da fühlt man sich ja fast wie ein Profi“, lacht Teichfischer, der sich ansonsten auf der Zielgerade seiner fußballerischen Laufbahn befindet. Zum Nordberliner SC kam er 2018 vom VfB Hermsdorf, für den er rund zehn Jahre aktiv war, in der Jugend hatte der Reinickendorfer für den RFC Liberta gekickt. In dieser Saison hat er noch keine Minute für den Nordberliner SC gespielt. Beruflich ist er stark eingespannt, außerdem Vater einer 16 Monate alten Tochter. „Ich habe noch richtig Bock auf Fußball, aber ich kann nicht mehr so regelmäßig trainieren“, sagt Teichfischer.

Fanden denn seine Mitspieler die Aktion in dem Moment okay? Schließlich wäre es womöglich der Siegtreffer gewesen. „Einige haben mich schon gefragt, warum ich den nicht reingemacht habe. Aber Rahden und die LBC-Verteidiger kamen sofort zu mir, nach dem Spiel auch der LBC-Trainer und haben sich bei mir bedankt.“ Also alles richtig gemacht, sein Verhalten war vorbildlich und zur Nachahmung empfohlen. Noch einmal der faire Heiligenseer: „Gerade im Amateursport, in dem nicht alles ausgeleuchtet wird, ist man doch auf ein faires Miteinander angewiesen. Ich will zwar immer gewinnen, wenn ich auf den Platz gehe, aber doch nicht um jeden Preis.“ bek