Hoffnung über dem Grab

Zum 250. Geburtstag des Bildhauers Thorvaldsen

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Statue
Im Zentrum der von Schinkel gestalteten Grabanlage der Familie Humboldt steht eine Granitsäule, darauf die von Thorvaldsen gefertigte marmorne Spes (lat. die Hoffnung). So hatte es sich Caroline von Humboldt zu Lebzeiten gewünscht. Foto: bod

Tegel – Über dem Grab der Humboldts hinter dem Schloss Tegel wacht auf einer hohen Granitsäule eine Statue, die fast zu schweben scheint. Ihr Schöpfer ist der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen, der vor 250 Jahren am 19. November 1770 zur Welt kam. Vom Vater, einem isländischen Holzschnitzer, erhielt er schon von klein auf Unterricht und hatte ihn bald mit seinem Talent überflügelt. Mit elf kam er an die Königlich Dänische Kunstakademie, wo man ihn schon früh auszeichnete.

Wie damals für bildende Künstler üblich, sollte er in Rom die Meisterwerke der Antike studieren – kurioserweise reiste er auf einer Kriegsfregatte mit, die unterwegs sogar zu militärischem Einsatz kam. Die strapaziöse Fahrt zog sich ein halbes Jahr hin. Den 8. März 1797, den Tag seiner Ankunft in der ewigen Stadt, bezeichnete er als seinen „römischen Geburtstag“, da ihr künstlerischer Reichtum für ihn eine Offenbarung war. Umso kritischer sah er seine eigene Arbeit, sein Schaffensprozess wurde als ständiger Kampf mit sich selbst und seinen Werken beschrieben; vieles zerstörte er gleich nach Fertigstellung. Doch was von ihm das Licht der Öffentlichkeit erblickte, wurde allgemein bewundert.

Der Bildhauer war trotz zahlreicher Assistenten derart vielbeschäftigt, dass seine Auftraggeber, zu denen auch Napoleon gehörte, oft lange auf ihre Bestellungen warten mussten. In Berlin empfing ihn der preußische König. In Warschau wünschte ihn der in der Stadt weilende Zar Alexander zu sehen und stand ihm für eine Büste mit entblößtem Oberkörper Modell. Beim Abschied belohnte der Herrscher Thorvaldsen mit einem Diamantring und einer Umarmung. Vom Vatikan wurde ihm die Ehre zuteil, für den Petersdom ein Papst-Denkmal anzufertigen, obwohl er Protestant war.

Auch die Kunstkennerin und Förderin Caroline von Humboldt, die zeitweise in Rom wohnte, war früh auf ihn aufmerksam geworden. Es entwickelte sich eine Freundschaft mit lebhafter Korrespondenz. Besonders angetan war sie von einer Frauengestalt mit dem Titel „Spes“, die nach der römischen Mythologie die Hoffnung verkörpert. Sie schwärmte im Brief an eine Freundin: „Wie göttlich diese Statue ist, wie sie leicht von dem Fußgestell, obgleich sie mit beiden Füßen darauf steht, einem entgegen zu schweben scheint, wie sie schön und im höchsten Sinne des Wortes graziös ist, kann ich nie genug sagen.“

Im Mai 1818 orderte sie bei Thorvaldsen eine Marmor-Anfertigung dieser Statue, die aber erst zwölf Jahre später fertig wurde und Berlin erreichte – ein Jahr nach ihrem Tod am 26. März 1829.

Ihr Mann Wilhelm ließ für ihr Grab eine verkleinerte Kopie der Skulptur anfertigen, dazu entwarf Karl Friedrich Schinkel die Ruhestätte. Zunächst wurde Caroline auf dem Kirchhof in Tegel beigesetzt und später umgebettet. Von der Einweihung der Grabstätte in Anwesenheit von Schinkel und den Humboldts unterrichtete der Maler Wilhelm Wach den dänischen Bildhauer: „Sie würden große Freude gehabt haben, die schöne Wirkung dieses herrlichen Werkes an Ort und Stelle zu sehen.“

Bei einem Theaterbesuch in Kopenhagen am 24. März 1844 erlitt Thorvaldsen einen Herzinfarkt und verstarb 74-jährig. Er hatte nie geheiratet, hinterließ aber eine Tochter, für die er finanziell Vorsorge getroffen hatte. Sein künstlerischer Nachlass ging an die Stadt Kopenhagen mit der Auflage, einen geeigneten Ort für sein Werk zu finden. Die Stadt ließ ein Gebäude bauen, in dessen Innenhof Thorvaldsen begraben liegt. Im Testament forderte er ein „mäßiges Einlaßgeld“ und freien Eintritt für „Künstler jeden Faches“ für das Museum, „welches nie aufhören darf meinen Namen zu tragen.“

bod

Bertel Thorvaldsen - schwarz-weiß Portrait

Portrait Bertel Thorvaldsen Bildquelle Carl F. Wilckens/ New York Public Library, Foto: bod