Der Garten wie in Syrien, nur viel kleiner!

Im Nachbarschaftsgarten Beettinchen treffen sich Geflüchtete und Altmärker

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Menschen im Grünen
Im Beettinchen lässt es sich bei guten Wetter schön sitzen. Foto: mfk
Ana Ema Planinc freut sich über reiche Ernte im Beettinchen. Foto: mfk
Ana Ema Planinc freut sich über reiche Ernte im Beettinchen. Foto: mfk

Märkisches Viertel – In der Septembersonne wirkt der Garten idyllisch. Ein 3.000 Quadratmeter großes grünes Handtuch mit gelben Sonnenblumen, die das Gemüse überragen. „Durch Corona hatten wir schlechte Startbedingungen im Frühjahr“, erläutert Felix Wolf, ein Verantwortlicher im blauen „BENN“-Kapuzenpulli. „Aber dann war es genau richtig, dass wir mit dem Garten ein Gelände im Freien hatten, wo alle sich besser treffen können als in geschlossenen Räumen“. Der Gemeinschaftsgarten ist von seinem temporären Standort am Senftenberger Ring in die Treuenbrietzener Straße 32 umgezogen.

Heute findet hier ein Fest im Rahmen der ersten Interkulturellen Woche Reinickendorf statt. BENN ist die Abkürzung für Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften. Durch das Gartenprojekt können zum Beispiel die Menschen aus der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete am Senf­tenberger Ring zusammen mit den „Altmärkern“ gärtnern. Von den 35 Parzellen à je 39 Quadratmetern sind rund 30 bereits verpachtet. BENN hat zwei Parzellen gepachtet von Albatros. Auf dem Beet wachsen Kürbis, Mais, Rotkohl, Tomaten, Salat und Gurke – und als Blumenzierde neigen Sonnenblumen ihre Köpfe über das Gemüse. „Bald ernten wir die Kartoffeln“, erfahre ich von Alaa Alandatallah. Die junge Frau ist aus Syrien geflüchtet und seit 2015 in Deutschland. Ihre fünfköpfige Familie hat eine Wohnung im Märkischen Viertel. „Ich komme sehr gerne in den Garten mit den Kindern, dass sie in der Natur sind.“ Es sei ein Platz zum Mitmachen und Ausruhen. „Es erinnert mich an meine Heimat, wo wir ein großes Grundstück bepflanzt haben. Alles schmeckt viel besser als aus dem Supermarkt!“, sagt die angehende Erzieherin lachend. Eine langjährige Pächterin ist Ana Ema Planinc aus dem Märkischen Viertel. Sie sei ein Naturmensch und möge Begegnungen, erzählt die Frau mit den silbernen Haaren. Sie verwendet keine Chemie. „Mit Brennnesseljauche als Dünger habe ich einen sehr guten Erfolg!“, erklärt sie lachend und lässt sich vor den Stangenbohnen fotografieren.

Theresa Uhlig ist bei Albatros verantwortlich für das Gartenprojekt. Albatros ist Pächter des Grundstückes, das der Gesobau gehört. Das hölzerne Gemeinschaftshaus mit Küche, Gerätehaus und Toilette werde von allen Pächtern und Pächterinnen gemeinsam genutzt, erklärt sie, und dass man sich auch gerne in der Küche trifft. Im kommenden Jahr soll im Garten noch mehr stattfinden. „Durch Corona ist das unser erstes Fest!“, bedauert sie. Für die letzten Parzellen hat sie schon einige Reservationen. Eine besondere Anfrage ist auch dabei: „Eine kurdische Familie möchte einen in ihrer Tradition wichtigen Bogen aus Weintrauben pflanzen!“ mfk