„Ist es am schönsten, soll man aufhören“

Interview mit Bezirksbürgermeister Frank Balzer zu seinen beruflichen Plänen

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Frank Balzer zieht es ins Abgeordnetenhaus. Foto: fle

Wittenau – Elf Jahre ist Frank Balzer nun bereits Bezirksbürgermeister von Reinickendorf. Nun steht er für eine Wiederwahl zum Bezirksbürgermeister 2021 nicht mehr zur Verfügung. Die RAZ fragte nach.

Sie haben 1992 bereits in der Bezirksverordnetenversammlung gesessen. Was hat sich seitdem in Reinickendorf verändert?

Wie die gesamte Stadt ist auch Reinickendorf gewachsen. Mit seinen rund 266.000 Einwohnern ist unser Bezirk größer als manche Landeshauptstadt. Das hat Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur. Die Herausforderungen an unsere Verkehrssysteme, aber auch an unsere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sind täglich spürbar. Hinzu kommen der Klima- und der demografische Wandel. Der Bezirk tut viel dafür, um diese Herausforderungen zu meistern. Dabei gab es über einen solch langen Zeitraum enorme Schwankungen bei der finanziellen und personellen Ausstattung.

Ihr nächster Aufgabenbereich waren die Ämter Bezirksstadtrat für Soziales, Sport und später noch Bürgerdienste, danach Bauweise und Sport. Was haben Sie in diesen Ämtern erreicht und angeschoben?

Wir haben so konsequent wie wohl kein Berliner Bezirk zuvor den Missbrauch von Sozialleistungen bekämpft. Da hat Reinickendorf eine echte Vorreiterrolle eingenommen, indem es Prüf- und Ermittlungsdienste einführte. Auch die Sanierung der bezirklichen Sporthallen und Sportanlagen war ein Schwerpunkt. Das war eine Herzensangelegenheit von mir, da ich selbst stets begeistert Sport getrieben habe und somit natürlich auch ein Verständnis dafür habe, was unsere Vereine benötigen, um erfolgreich sein zu können.

Beim Thema Bauen steht für mich vor allem der Erhalt der bezirklichen Strukturen im Mittelpunkt. Reinickendorf soll seine landschaftlichen Vorzüge bewahren. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt von Kleingärten ein, investieren wir viel für die Pflege und Sauberkeit der öffentlichen Plätze, bepflanzen Jahr für Jahr aufwändig die Greenwichpromenade und viele Blumenbeete überall in den Ortsteilen. Wir beseitigen Angsträume und werben mit einem ordentlichen und sauberen Erscheinungsbild im öffentlichen Umfeld dafür, sich mit seinem Kiez zu identifizieren und sorgsam damit umzugehen.

Nun haben bereits seit elf Jahren das Amt als Bürgermeister inne. Was waren die besonderen Herausforderungen in dieser Dekade und was haben Sie in dieser Zeit am meisten in Erinnerung?

Es ging vor allem darum, die Angebotsvielfalt im Bezirk aufrechtzuerhalten – selbst in Zeiten knapper Kassen, als es hieß: „Berlin muss sparen, bis es quietscht“. Trotzdem konnte Reinickendorf sein breites Spektrum an Jugend- und Seniorenfreizeitstätten, an Sport- und Kulturstätten bewahren und punktuell sogar ausbauen. Wichtig war mir auch immer, dass ein Miteinander von Bezirksverwaltung und Bezirksverordneten, ein lokalpolitischer Grundkonsens – über alle parteipolitischen Differenzen hinweg – möglich war. Nur so konnten wir die vergangenen fünf Doppel-Haushalte im Bezirk von 2012 bis 2021 einstimmig verabschieden. Zuletzt sogar bei sechs Fraktionen! Einmalig für Berlin. Das zeigt, dass wir offensichtlich mehr richtig als falsch machen.

Sie haben nun kundgetan, dass Sie für eine Wiederwahl zum Bezirksbürgermeister 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Warum?

Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Nach 23 Jahren sehr intensiver Kommunalpolitik, reizt es mich, mein Wissen und meine Verwaltungserfahrung in neuem Umfeld einzubringen. Ich möchte näher an den gesetzgeberischen Entscheidungsprozessen sein, tiefer in Thematiken einsteigen und stärker meine Kenntnisse vor Ort einbringen, als es bisher möglich war. Kurz: Ich finde es verlockend, künftig selbst an Rahmenbedingungen mitzuarbeiten, die die Bezirke stärken und Hemmnisse beseitigen.

Sie streben eine Kandidatur für das Berliner Abgeordnetenhaus an. Glauben Sie, dort noch mehr für den Fuchsbezirk erreichen zu können? Wenn ja, was sind Ihre Ziele in diesem Amt, sollten Sie Abgeordneter werden?

Natürlich bleibe ich als Kreisvorsitzender unserer Parteibasis sehr stark verbunden und in der Kommunalpolitik eingebunden. Darüber hinaus habe ich die Hoffnung, aus dem Abgeordnetenhaus heraus das eine oder andere für den Bezirk Reinickendorf bewegen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner