„Lehrpläne entrümpeln“

Landesschulsprecher Richard Gamp im Gespräch

0
109
Schüler vor Gebäude
Richard Gamp vor dem Humboldt-Gymnasium Foto: du

Bezirk – In seiner Freizeit liegt er als DJ Richie auf, im Ehrenamt vertritt er 350.000 Schüler. Und: Berlins Landesschulsprecher kommt aus Reinickendorf – Grund genug für die RAZ, den 17-jährigen Interessenvertreter im Interview zu befragen.

Herr Gamp, Sie kommen aus der Schüler-Union, welchen Themen widmen Sie sich im Landesschüler-Ausschuss speziell?

Digitalisierung, Schulneubau, Umweltschutz und Gerechtigkeit.

Ihr Einsatz für saubere Schulen war dem Bezirks­amt eine Pressemitteilung wert …

Schule sollte ein Ort sein, an dem man sich gern aufhält.

Wie stehen Sie zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs in Corona-Zeiten?

Eine aktuelle LSA-Positionierung ist wegen der Ferienzeit noch nicht vorhanden. Ich persönlich plädiere stark für eine Wiedereröffnung. Grund-Voraussetzung ist, dass Abstand und Hygiene eingehalten werden.

Können Sie Ihre Forderung nach Digitalisierung bitte konkretisieren?

Digitale Infrastruktur muss vorhanden sein. Lehrer müssen ausreichend geschult sein. Lehrpläne sollten von Ballast befreit werden.

Zum Beispiel?

Kreditaufnahme, Rentenberechnung und Statistik statt allzu üppiger Kurvendiskus- sion in Mathe. Verbraucher- und Umweltschutz in Chemie. Andere Schüler haben mal eine Reform des Sexualkunde-Unterrichts gefordert … Das wird über die einzelnen Jahrgangsstufen sehr unterschiedlich gehandhabt. Auf jeden Fall mehr Aktualisierung im Hinblick auf das Internet und seine Gefahren.

Wie verlief die Diskussion im LSA zum Thema „Fridays for Future“?

Das war noch vor meiner Amtszeit. „Fridays for Future“ ist ein legitimer Weg, sich zu artikulieren. Ich persönlich ergänze allgemeine Forderungen gern durch ganz konkrete Maßnahmen – beispielsweise beim Umweltschutz an den Schulen. Unterricht sollte auf Dauer wegen Demos aber nicht ausfallen.

Wird man in der Funktion des Landesschulsprechers ernst genommen?

Ja, man muss seine Positionen aber mit genügend Selbstbewusstsein vertreten.

Mit welchen Ansprechpartnern haben Sie zu tun?

Auf Seiten der Senatsverwaltung mit der Senatorin und ihrer Staatssekretärin.

Welche Motivations- und Druckmittel haben Sie zur Verfügung, um Ihren Anliegen Gehör zu verschaffen?

Das Mandat der 350.000 Berliner Schülerinnen und Schüler. Zudem findet der LSA häufig in den Medien statt.

Was wollen Sie in Ihrer Amtszeit erreichen?

Interne Strukturen und Zusammenarbeit des LSAs noch weiter verbessern. Den LSA in den Berliner Schulen und der Öffentlichkeit noch bekannter machen. Unsere thematischen Schwerpunkte setzen und aktiv für deren Umsetzung werben. Bei der Neuplanung des Abiturs und des Mittelschul-Abschlusses 2021 mit starker Stimme mitsprechen.

Wohin gehen ihre beruflichen Ambitionen?

Chemie und BWL Studium; Arbeit an den Schnittstellen von Politik, Wirtschaft und Naturwissenschaft, beispielsweise im Management, der Unternehmensberatung oder der Politik.

Wir wünschen Ihnen für Ehrenamt und Berufsleben viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch.

Interview Harald Dudel