Zollstock raus: Es geht um zehn Zentimeter

Weil der Abstand nur 1,40 m beträgt, dürfen Berliner Ruderer in Großbooten weiter nicht aufs Wasser

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RCT-Vorsitzender seit sieben Jahren: Holger Niepmann. Foto: bek

Tegel – Stühlerücken beim ältesten Sportverein Reinickendorfs: Auf der Jahreshauptversammlung des Ruder-Clubs Tegel am 19. Juni haben die Vereinsmitglieder einen neuen Vorstand gewählt. Als Vorsitzender wurde Holger Niepmann bestätigt, aber es gab einige Veränderungen. Nachdem die langjährigen Vorstandsmitglieder Thorsten Jüterbock, Lutz Redlinger und Ronald Alex nicht mehr antraten, wurde der Vorstand neu besetzt. Jüterbocks Amt als 2. Vorsitzender Leistungssport hat nun Dominik Vent inne, neuer 2. Vorsitzender Breitensport ist Friedemann Berg, und die Finanzen verwaltet nun Gudrun Lennert als Nachfolgerin von Ronald Alex. Schriftführer ist Karsten Obst, Jugendleiter Ingo Roggensack. In den erweiterten Vorstand wurden für das Ressort Wanderrudern Jens Ziegler und als Bootswart Peter Huck gewählt.

Eigentlich hatte die Jahreshauptversammlung im März im Clubhaus an der Gabrielenstraße stattfinden sollen. Corona machte einen Strich durch die Rechnung, drei Monate später stellte das Palais am See in den Tegeler Seeterrassen Räumlichkeiten zur Verfügung – unter den vorgegebenen Hygienemaßnahmen ging die JHV hier über die Bühne.

Die Pandemie hatte nicht nur die JHV verzögert. Der RC Tegel leidet wie alle Rudervereine in Berlin ganz besonders unter Corona. Am 22. Mai hat sich der Landesruderverband mit einem Schreiben an den Senator für Inneres und Sport, Andreas Geisel, gewandt. Ziel war, insbesondere das Rudern in Großbooten wieder zu gestatten, obwohl der Mindestabstand von 1,50 m zwischen zwei Ruderplätzen knapp nicht eingehalten werden kann. Da geht es um läppische zehn Zentimeter, die Sportler sitzen 1,40 m auseinander.

Die ernüchternde Antwort aus der Senatsverwaltung kam am 10. Juni: „Eine regelhafte Unterschreitung des Mindestabstandes, wenn auch nur um wenige Zentimeter, stellt nach derzeitiger Rechtslage einen Verstoß gegen die Vorgaben der SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmeverordnung dar. […] Folglich kann zum jetzigen Zeitpunkt das Rudern in Mannschaftsbooten, also alle Ruderboote außer einem ,Einer‘, nur von Personen erfolgen, für die eine Unterschreitung des Mindestabstandes zulässig ist. […] Momentan kann leider keine Ausnahmegenehmigung für die Durchführung im Mannschaftsrudern in Aussicht gestellt werden.“

Auch das Gespräch der LSB- und LRV-Führung (Landessportbund und Landesruderverband) mit den Vertretern der Senatsverwaltung für Inneres und Sport am 30. Juni hat nichts genutzt. Staatssekretär Aleksander Dzembritzki und die weiteren Vertreter der Sportverwaltung beharren auf 1,50 m im Boot bei Personen aus verschiedenen Haushalten. Lediglich Landeskaderruderinnen und -ruderer können eine Ausnahme für das leistungssportliche Training beantragen.

Am vergangenen Freitag (3. Juli) trat dann für das Land Berlin eine neue Infektionsschutzverordnung in Kraft. Der RCT-Vorstand hat diese ausgewertet und nun neue Regeln für den Ruderbetrieb beschlossen. Die Schutz- und Hygienemaßnahmen hängen auf dem Vereinsgelände aus. „Um Geldbußen und Sanktionen bis hin zur Schließung des Vereins zu vermeiden, haben wir uns vorerst gegen die unbeschränkte Freigabe des Mannschaftsruderns entschieden, die nach Auffassung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport derzeit rechtswidrig wäre“, sagte Vereinssprecherin Franziska Haupt der RAZ.bek

Der Steuermann sitzt etwas weiter weg, aber die vier Ruderer kommen sich nach den Corona-Maßnahmen etwas zu nahe. Foto: bek