Ungewöhnlicher Schichtbetrieb

Campus Hannah Höch musste sein Unterrichtskonzept neu gestalten

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Leana (links) und Anouk müssen in der Schule Abstand halten. Nun wollen sie ihre Sommerferien genießen – ohne Schulaufgaben und mit mehr Kontakt zu ihren Freunden. Foto: dsd

Märkisches Viertel – Die Sommerferien sind da. Zeit, innezuhalten, Luft zu holen. Lehrkräfte und ihre Schüler mit ihren Eltern hatten außergewöhnliche Zeiten zu bewältigen. Am 27. April begann die schrittweise Rückkehr in die Schulen. Aber wie genau sah das Anlaufen des Unterrichtes eigentlich aus? Jede Schule hat die Wiederaufnahme des Unterrichts anders geregelt. Im Normalbetrieb wurde am Campus Hannah Höch im Märkischen Viertel Campus jahrgangsübergreifend gelernt, es befanden sich ursprünglich immer drei Jahrgänge in einer Gruppe. Diese Jahrgangsmischung musste nun aufgelöst und kleinere, jahrgangshomogene Gruppen eingerichtet werden. Wo vorher also etwa 24 Schüler aus den Jahrgangsstufen sieben, acht und neun gemeinsam büffelten, konnten nun nur zehn bis 15 Jugendliche eines Alters in einem Klassenraum mit Abstand unterrichtet werden. Es wurde im Schicht- und Wochensystem gearbeitet: in der einen Woche nur ein Teil der Jahrgänge, in der nächsten Woche der andere, nochmals unterteilt in Gruppe A am Vormittag, Gruppe B am Nachmittag.

Bevor der Unterricht aber tatsächlich losgehen konnte, mussten sich die Schüler an verschiedenen Eingängen aufstellen, einzeln eintreten, die Hände waschen und Platz nehmen, dann kam der Nächste. Nach drei Stunden Unterricht verließen sie auch wieder einzeln die Schule. „Die Zeit zuhause war langweilig!“, sagt die dreizehnjährige Leana aus tiefstem Herzen – froh, dass Schule überhaupt wieder möglich war. Obwohl ihr Treffen mit Freunden fehlte, hat sie hat das Beste daraus gemacht, ist Fahrrad und Skateboard gefahren, hat Serien geschaut und mit ihren Eltern viel gespielt. Die vierzehnjährige Anouk hat mit ihrer Familie im Garten gearbeitet und viel gelesen. Beiden Mädchen fiel das Lernen alleine zuhause schwer, denn Hilfe von ihren Eltern hatten sie nur bedingt. Leanas Mutter stammt nicht aus Deutschland und geriet an ihre sprachlichen Grenzen, Anouks Eltern waren im Homeoffice eingespannt.

Mit dem Neustart der Schule hatten die Mädchen wenigstens jede zweite Woche Unterricht und haben dort auch die Aufgaben für die Woche am heimischen Schreibtisch vorbesprochen. „Es ist trotzdem noch schwer, allein zu lernen. Zuhause hatte ich dann oft schon vergessen, wie die einzelnen Aufgaben funktionieren“, sagt Leana. Die Zeit in der Schule haben sie dafür besonders genossen: „Die kleineren Gruppen sind super“, sagt Anouk. „Es ist leiser. Alle arbeiten viel konzentrierter und wir schaffen mehr in einer Stunde.“ Diese Gruppengröße würden sie gern mit in das neue Schuljahr nehmen.

Daniele Schütz-Diener