Eine neue Zukunft für Reinickendorf

Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, über die Nachnutzung des Flughafens Tegel

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Philipp Bouteiller Foto: bs

Tegel – Philipp Bouteiller plant seit 2012 als Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH die Nachnutzung des Flughafens Tegel. Nach vielen Verzögerungen beim Bau des BER sieht es jetzt so aus, als ob das Flughafengelände in Tegel bald ein riesiges Baugebiet wird.

Wann kommen die Bagger?

Es wird irgendwann zwischen Mai und August des nächsten Jahres losgehen. Wenn der BER am 31. Oktober 2020 eröffnet, muss der Flughafen Tegel noch sechs Monate betriebsbereit gehalten werden. Danach wird er aus der Planfeststellung entlassen. Im Mai folgt offiziell noch eine Dreimonatsfrist, die die Flughafengesellschaft zur Verfügung hat, um sicherheitsrelevante Anlagen zurückzubauen. Erst dann können wir übernehmen. Wie schnell das dann wirklich geht, weiß niemand genau. Und deswegen sagen wir: zwischen Mai und August 2021.

Was sind die Hauptprojekte?

Wir haben drei Großprojekte. Das erste ist der Forschungs- und Industriepark, die „Urban Tech Republic“. Das zweite große Projekt ist das Schumacher Quartier mit mehr als 5000 neuen Wohnungen. Das wird ein soziales und ökologisches Modellprojekt, bei dem wir überwiegend aus Holz bauen werden. Als drittes Projekt haben wir den riesigen Landschaftsraum mit über 200 Hektar, der Erholungsraum für die Bevölkerung sein soll.

Wann werden Sie fertig sein?

Eine Stadt ist niemals fertig. Das ist ein sich ständig entwickelnder Prozess. Bekanntlich ist auch Berlin niemals fertig. Die Planungszeit für das, was wir an öffentlicher Infrastruktur aufbauen wollen, beträgt etwa 20 bis 30 Jahre.

Was soll es kosten?

Das hängt davon ab, wie viele unserer Planungen am Ende wirklich realisiert werden. Wir rechnen mit Gesamtinvestitionen von etwa acht Milliarden Euro, wobei der Großteil davon private Investitionen sein werden.

Gibt es – weltweit gesehen – Vorbilder für so ein Projekt?

Es gibt viele kluge Projekte weltweit. Wir haben uns auch viel angeschaut, dann aber beschlossen, unseren eigenen „Berliner Weg“ zu gehen, der nun wiederum als Vorbild für andere Quartiersentwicklungen weltweit gilt. Offensichtlich liegen wir gar nicht so falsch mit dem, was wir hier machen. Es gibt auch andere Projekte, die jetzt mit uns in Konkurrenz treten: Wer ist zum Beispiel schneller mit dem Holzbau für große Wohngebäude, den wir sehr fördern? Das finden wir gut, denn wir wollen ja überall bessere Städte haben, nicht nur in Berlin.

Welche Schwierigkeiten gibt es?

Die größte Herausforderung ist der Rückbau des Autobahnzubringers von der A 111 zum Kurt-Schumacher-Damm, da ringen wir noch mit dem Bund. Zudem wissen wir nicht, wie sich die fiskalische Situation wegen der aktuellen Corona-Krise entwickeln wird. Da kann es zu Verzögerungen kommen. Ansonsten haben wir verblüffend wenig Widerstände zu überwinden, weil das Projekt in Berlin sehr anerkannt ist.

Wie sieht es mit dem Regierungsflughafen aus, der den Hubschrauberbetrieb für die Bundesregierung noch bis 2029 aufrechterhalten soll?

Der Regierungsflughafen tangiert uns im Augenblick nicht. TXL Nord ist der letzte Bauabschnitt, der in 20 Jahren in Angriff genommen werden soll. Deswegen werden unsere jetzigen Planungen nicht gestört.

Nach jetzigem Stand wird sich der Baubeginn wegen der Verzögerungen beim BER um neun Jahre verspäten. Hat Ihnen das bei der Planung geholfen?

Ja, das muss man ehrlich zugeben, es hat uns geholfen. Wir hatten 2012 noch gar kein Baurecht. Diese Prozesse dauern einfach unheimlich lange. Jetzt stehen die Planungen. Das ist ein Riesenvorteil auch für die sich ansiedelnden Unternehmen und für die investierenden Wohnungsbauunternehmen. Die können gleich loslegen.

Was haben die Reinickendorfer von alledem?

Zunächst einmal Ruhe – endlich Ruhe vor dem Fluglärm. Zweitens entsteht ein komplett neuer Stadtteil mit modernster Infrastruktur. Zudem wird sich der Kurt-Schumacher-Platz komplett wandeln. Es werden 20.000 moderne Arbeitsplätze entstehen. Hier wird ein riesiges Projekt realisiert, das Reinickendorf eine neue Zukunft geben wird.

Danke für das Gespräch.

Interview Bertram Schwarz